Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, November 28, 2022

Arbeit für die Nachwelt

Die Finanzen waren ebenfalls ein Thema beim Treffen von Martin Dzingel (rechts) und Hartmut Koschyk (zweiter von links). Foto: Büro Hartmut Koschyk.
Die Finanzen waren ebenfalls ein Thema beim Treffen von Martin Dzingel (rechts) und Hartmut Koschyk (zweiter von links). Foto: Büro Hartmut Koschyk.

Noch vor einiger Zeit versuchte der polnische Sprachwissenschaftler Tomasz Wicherkiewicz mit dem Projekt „Andere Sprachen“ die deutschen Mundarten in Polen für die Nachwelt zu erhalten. Jetzt geht auch die deutsche Minderheit in Tschechien diesen Weg und nutzt dabei neueste Technik.

 

Während Wicherkiewicz vor allem Textbeschreibungen und Audioaufnahmen von bedrohten Mundarten gesammelt hat, entschloss sich Simon Römer von der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LdV) für Videobeiträge. Samt einem Partner bereist der junge Deutsche aus Tschechien das Land, in dem noch knapp 19.000 Menschen deutscher Herkunft wohnen. Ein Großteil der deutschstämmigen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben, bleiben durften, wie auch in Polen, nur wenige.

 

Welche Mundarten versucht man zu retten? Wie es sich herausstellt, spricht man in Tschechien noch immer minderheitbezogene Versionen von alten deutschen Dialekten wie Ostmitteldeutsch im Norden, Ostfränkisch im Nordwesten oder Mittelbairisch im Süden des Landes. Da hauptsächlich ältere Personen die Dialekte beherrschen, wird schätzungsweise in 20-30 Jahren die aktive Nutzung der Mundarten komplett untergehen. Deswegen sei es nach Simon Römer so wichtig, dieses Erbe für die Nachwelt zu erhalten.

 

Während die Projektleiter die Sprachnutzer aufnehmen, bekommen sie auch oft einen wichtigen Eindruck vom Leben der Deutschen im kommunistischen Tschechien. Ein Beispiel davon ist Johann Müller, der einen Dialekt spricht, der für die heutige Oberlausitz charakteristisch ist. Nach dem Krieg wurde der Deutsche in „Jan Miller“ umbenannt und erinnert sich gut, dass sich damals der Hass gegen den Nationalsozialismus in einen Hass gegen alles was deutsch ist, umgewandelt hat. Er selber wurde sogar für seine nationalen Wurzeln einige Male verprügelt.

 

Außer Simon Römer, der die Umsetzung des Projektes betreut, ist vor allen Martin Dzingel, Präsident der LdV, für das Projekt verantwortlich. Um auch in Zukunft die Finanzierung für solche Initiativen zu sichern, traf sich Dzingel vor kurzem in Prag mit dem deutschen Botschafter Dr. Arndt Freytag von Loringhoven sowie mit dem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk. Bei dem Treffen gratulierte Koschyk Dzingel zur schon dritten Wahl zum Präsidenten der LdV und sicherte auch weiterhin die Unterstützung des Bundesministeriums des Inneren zu.

 

Łukasz Biły

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