Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 7, 2022

Die Eulenbaude sagt Adieu

Nach über 120 Jahren wurde in diesem Jahr die Eulenbaude, die Herberge am Gipfel der Hohen Eule, geschlossen. Das Objekt wurde 1897 vom Verband der Gebirgsvereine an der Eule geöffnet. Der Ideengeber für die Eulenbaude war der Fabrikant Carl Wiesen. Ein Obelisk zu seinen Ehren steht bis heute an der Hohen Eule.


Carl Wiesen (geb. 1834) war der Mitbegründer des Textilunternehmens „Websky, Hartmann & Wiesen AG” in Waltersdorf (heute Walim), einer Ortschaft am Fuße des Eulengebirges. Seine Villa in Walim steht bis heute. Wiesen war einer der ersten, die das touristische Potenzial des Eulengebirges erkannt haben. Viele Jahre war er Vorsitzender des Eulengebirgsvereins Waltersdorf. Er war persönlich in den Bau des ersten Aussichtsturms an der Hohen Eule involviert. Als Ideengeber für den Bau einer Herberge an der Hohen Eule hatte er ein Grundstück gekauft, um dort die Anlage bauen zu lassen. Er war auch an der Bestimmung und Markierung der Wanderwege durch das Eulengebirge beteiligt. Auf dem Weg zum Falkenberger Pass (Przełęcz Sokola) wurde 1898, also ein Jahr nach seinem Tod, ein Obelisk zu seinen Ehren aufgestellt. Auf der Tafel steht geschrieben: „Dem Andenken des treuen Freundes unserer Berge Carl Wiesen”.

Die Eulenbaude war anfangs als eine kleine hölzerne Hütte auf einem Sockel aus Steinen errichtet worden und dann kontinuierlich ausgebaut und modernisiert.
Foto: Wikipedia

Die Eulenbaude war anfangs als eine kleine hölzerne Hütte auf einem Sockel aus Steinen errichtet worden und in der ersten Zeit nur bis zum Herbst offen. Schon 1898 wurde neben Übernachtungsplätzen auch Bewirtung angeboten. Der Bau kostete zum Schluss 12.000 Mark, zweimal so viel wie zunächst geplant. 1900 wurde Wasser angeschlossen und ein Blitzableiter angebracht. 1910 wurde eine verglaste Veranda dazu gebaut. Der am längsten wirkende Pächter der Eulenbaude war Fritz Nikolaus. Er betrieb die Herberge von 1915 bis 1940. Zu seiner Zeit gab es in der Eulenbaude schon eine Zentralheizung, Stromanschluss, Toiletten und fließendes Wasser.

Postkarte aus dem Eulengebirge mit Aussichtsturm und Eulenbaude.
Quelle: mokisbielawa.pl

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort das Ferienhaus „Marysieńka“ eröffnet. Später wurde die Eulenbaude renoviert und erneut den Touristen zur Verfügung gestellt.

Anna Durecka

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