Die größte Freude des Abends folgte auf das Tor zum 2:0 Foto: Łukasz Biły.

Die größte Freude des Abends folgte auf das Tor zum 2:0 Foto: Łukasz Biły.

Ein lautes „Tor!” ließ sich am Sonntag um 22:45 Uhr im Zentrum von Chronstau hören, als Bastian Schweinsteiger das Spielergebnis zwischen Deutschland und der Ukraine auf 2:0 festlegte. Mehrere Dutzend Angehörige der deutschen Minderheit sahen das Spiel in einer Fanmeile, die inzwischen älter ist als mancher Besucher.

 

„Wir haben schon 2006 Fanmeilen eingerichtet“, erinnert sich einer ihrer Mitgestalter, Krzysztof Warzecha vom DFK Chronstau. Warzecha spricht vom gemeinsamen Anschauen von Spielen der deutschen Nationalmannschaft auf einem Großbildschirm, das die deutsche Minderheit seither bei jedem wichtigen Fußballturnier auf internationaler Ebene organisiert. Einer besonderen Beliebtheit erfreuten sich die Fanmeilen während der Weltmeisterschaft 2014, als die Deutschen Gold errangen und in Chronstau schätzungsweise bis zu mehreren hundert Angehörigen der deutschen Minderheit mit der deutschen Mannschaft mitfieberten.

 

Von den mindestens drei Fanmeilen, die schlesische Deutsche in diesem Jahr einrichten wollen, hat das Anschauen des ersten EM-Spiels der Deutschen in Chronstau stattgefunden. Zahlreiche Fans in deutschen Trikots und mit Gesichtern in deutschen Nationalfarben waren aus der ganzen Region Oppeln von Groß Strehlitz bis Rosenberg zusammengekommen. Sogar ein geistiger Akzent fehlte nicht: „Die Deutschen spielen leider nicht so gut, wie sie uns daran gewöhnt haben. Wenn sie sich in der zweiten Hälfte nicht steigern, dann könnten sie dieses Spiel sogar mit Gottes Hilfe verlieren“, sagte in der Spielpause Pfarrer Hubert Kusch, der in einer Mütze der deutschen Nationalmannschaft aus Oppeln nach Chronstau gekommen war, um die Deutschen anzufeuern. In der Tat hatte die mutig spielende Ukraine den Schützlingen von Joachim Löw in der ersten Spielzeit recht viele Probleme bereitet. Als dann aber das Tor zum 2:0 fiel, sprang jeder in der Fanmeile hoch und spendete euphorisch Beifall: „Es ist super, besser hätte es gar nicht kommen können!“, meint Heinrich Nyolt, ein Unternehmer aus der Gegend und leidenschaftlicher Fan. Nach dem Ergebnis des nachfolgenden Spiels gegen Polen gefragt sagt er: Unsere Jungs werden 2:1 gewinnen, und ich meine damit natürlich die Deutschen!

 

Das nächste Spiel, so prophezeit Nyolt, könnte im Rückblick auf die Auftaktsiege beider Teams zum wichtigsten in der Gruppe werden. Das Spiel wird man in der Fanmeile in Neuhammer (Nowa Kuznia), Woiw. Oppeln, an der ul. Szkolna sowie in der Bar „U Mnicha” in Stollarzowitz (Stolarzowice), Woiw. Schlesien, ab 21:00 Uhr sehen können.

 

Łukasz Biły