Die Fenster der Thorner Kathedrale erstrahlen seit dem Frühjahr wieder im alten Glanz. Foto: sekulada.com

Die Fenster der Thorner Kathedrale erstrahlen seit dem Frühjahr wieder im alten Glanz.
Foto: sekulada.com

Das Ost-Chorfenster der ehemaligen Altstädtischen Pfarrkirche und heutigen Thorner Kathedrale mit seiner kostbaren mittelalterlichen Glasmalerei hat das Interesse eines deutsch-polnischen Expertenteams geweckt.

 

Seine ältesten Glasfelder werden nach neuesten Forschungsergebnissen um 1330 datiert. Sie haben sich als Fragmente mit geometrischen und vegetabilen (pflanzlichen) Mustern im Maßwerk erhalten. Als man 1638 auf Veranlassung der Jesuiten im Chorraum einen riesigen Altar errichtete, wurde das Chorfenster verdeckt und vermutlich auch zum Teil zugemauert. In den kriegerischen Auseinandersetzungen 1806–1813 wurden die Glasmalereien stark zerstört. 1949 entschloss man sich zur Wiederherstellung des gesamten farbigen Fensterprogramms der Kirche. Dabei wurden beim Ost-Chorfenster die mittelalterlichen Fragmente konserviert und restauriert und die umfangreichen Fehlstellen historisiert ergänzt. Durch diese bis 1951 fertiggestellten Arbeiten entstand wieder eine geschlossene, harmonisch ausgeglichene Farbverglasung. Seitdem war die sichtbare Glassubstanz des Chorfensters nicht mehr angerührt, geschweige denn geschützt worden.

 

Die Glasmalereien sind in vier Lanzettbahnen und elf Ebenen eingeteilt. In den Fensterecken sind Wappen zu sehen, u. a. von Papst Pius XII. und der Stadt Thorn. Die figürlichen Darstellungen der Glasmalereien haben heute überwiegend Szenen aus dem Leben der Schutzpatrone der Kathedrale zum Gegenstand: Johannes Evangelist sieht das Ende der Welt und Johannes der Täufer predigt in der Wüste. Zum Bildprogramm gehören ferner Motive wie der Erzengel Michael, Maria mit dem Jesuskind, das Abendmahl und die Kreuzigung.

 

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück (DBU) und der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) geförderte Sanierungsprojekt mit der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz in Görlitz als Maßnahmenträger den Titel: „Untersuchung und modellhafte Sanierung schwergeschädigter mittelalterlicher Glasmalereien bedeutender sakraler Bauten in den durch Umweltschadstoffe extrem belasteten Städten Kujawiens 2014–2016.“

 

Die Fensterglasmalerei-Technik war im 14. Jahrhundert in Europa auf einem vergleichbaren Stand. Die Kolorierung des handgeblasenen Glases erfolgte mit Oxyden und Metallen, Silber, Gold- und Kobalt-Salz sowie Magnesium. Die auf diese Weise erzeugten Farben waren klar und intensiv. Kirchen-Buntglasfenster hatten eine starke didaktische und ästhetische Wirkung. Die Szenen, die sie präsentierten, waren meistens der Bibel entnommen. Die leuchtenden farbenprächtigen Fenster sorgten für metaphysisch wirkendes Licht im Kircheninneren, das Gott verkörperte. Es wurde zu mystischem Licht.

 

Peter Schabe (kk)/kan