Um die gesellschaftlichen Änderungen direkt am Ende des Zweiten Weltkriegs in der heutigen Woiwodschaft Ermland und Masuren ging es bei der diesjährigen Arbeitstagung der Deutschen Minderheit im ehemaligen südlichen Ostpreußen. Zur Veranstaltung unter dem Titel „Neue Nachbarn – Deutsche und Polen in Ermland und in Masuren nach 1945“ hatte die Landsmannschaft Ostpreußen nach Sensburg eingeladen.

 

Lebhafte Gruppenarbeit
Foto: Uwe Hahnkamp

 

Als Referenten zu diesem Thema konnte Organisatorin Edyta Gładkowska den Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen Wolfgang Freyberg und Gabriela Czarkowska-Kusajda gewinnen. Die Autoren der 2018 erschienenen gleichnamigen Broschüre des Kulturzentrums Ostpreußen gaben einen Überblick über den Inhalt der zweisprachigen Publikation. 15 Personen wurden in beiden Sprachen zu verschiedenen Themen befragt, und ihre Aussagen mit Dokumenten aus dem Polnischen Staatsarchiv in Allenstein und Photos aus dem digitalisierten Fundus des Museums für Ermland und Masuren ergänzt. Zwei CDs mit den Gesprächen in der polnischen oder deutschen Version runden die Veröffentlichung ab.

„Damit wir möglichst viele Menschen erreichen, war es wichtig, dass die Zeitzeugen beide Sprachen flüssig beherrschen“, erklärte Gabriela Czarkowska-Kusajda zur Auswahl der Gesprächspartner. Einen anderen Punkt betonte Wolfgang Freyberg besonders: „Die in der Broschüre veröffentlichten Dokumente sind polnische Originalakten. Ihr Inhalt sind zum Beispiel damalige dienstliche Anweisungen von oben oder Beschwerden von privaten Bürgern.“

Als Anstoß für die Gruppenarbeit der Teilnehmer präsentierten die Referenten Ausschnitte aus den Tonaufnahmen. Aufgabe der Gruppen war das Sammeln eigener Erfahrungen oder im Fall von jüngeren Teilnehmern Erinnerungen der Eltern oder Großeltern über das Zusammenleben zwischen Deutschen und Polen nach 1945. Immer wieder tauchte dabei als Thema die Änderung der Namen durch die polnischen Behörden auf, ohne dass andere schlimmere, aber auch schönere Erlebnisse zu kurz kamen.
Die mittlere Generation berichtete dagegen oft von jahrelangen Hänseleien und Kommentaren in den Schulen. Besorgt beobachten alle Teilnehmer, dass diese Art der Behandlung von Minderheiten zuletzt im Alltag in Polen wieder zunimmt. Es war deutlich zu spüren, dass es noch mehr zu erzählen gegeben hätte, die Zeit der Arbeitstagung dafür aber doch zu kurz war.

 

 

Uwe Hahnkamp

 

 „Neue Nachbarn – Deutsche und Polen im Ermland und in Masuren nach 1945“,
Publikation erhältlich beim Kulturzentrum Ostpreußen, Schloßstr. 9, 91792 Ellingen/Bay.
Telefon: +49 – 9141 – 86440, Mail: info@kulturzentrum-ostpreussen.de