26 Schülerinnen und Schüler der „Heinrich-Böll-Schule“ (HBS) Rodgau (Hessen) erlebten zusammen mit ihren Lehrkräften Alexandra Kneisel und Andreas Winterhalder eine besondere Schulwoche in Polen.

Schülerinnen und Schüler der deutsch-polnischen Austauschbegegnung aus Rogau und Turawa vor der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler in Krakau.
Fotos: A. Winterhalder

 

 

Die freiwillige Studienfahrt führte die Schülerschaft aus der 9. Jahrgangsstufe zunächst zur Partnerschule (Grundschule, früher Gymnasium) nach Turawa im Landkreis Oppeln.

 

Die gleichen Probleme

Die hessische Schule hatte bewusst eine Partnerschule im Wohngebiet der deutschen Minderheit gewählt, weil man sich mit den Problemen von nationaler Minderheiten vertraut machen will, um mehr über das Zusammenleben von Deutschen und Polen in Oberschlesien zu erfahren. Die gleichen Probleme erfahren die deutschen Schüler durch die Zuwanderung von Migranten und die Aufnahme von Flüchtlingen sowie das Zusammenleben mit Ausländern in ihrer Heimatstadt tagtäglich. Gemeinsam mit 17 Schülerinnen und Schülern aus Turawa, der Deutschlehrerin Aneta Barlog und der Schuldirektorin Eryka Matysek, ging es nach einem kurzen Abstecher zum großen Turawasee dann mit dem Bus nach Krakau. Am zweiten Tag besuchte die Gruppe die ehemalige Fabrik von Oskar Schindler, welcher durch die Rettung von über 1.000 Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit weltberühmt wurde (Film „Schindlers Liste“). Nachmittags ging es dann weiter nach Auschwitz. Am dritten Tag ging es nach Kreisau in die dortige Internationale Jugendbegegnungsstätte. Die Schülerinnen und Schüler konnten hier ihre Eindrücke vom Vortag in schriftliche Worte fassen und danach gab es die Gelegenheit sich im gemeinsamen Gespräch darüber auszutauschen. Im Anschluss an die Reflexion gab es für alle eine Führung auf dem ehemaligen Hofgut der Familie Moltke.

Am Nachmittag beschäftigen sich die Schüler mit anderen deutschen und polnischen Widerstandsgruppen und Personen, wie z.B. die „Weiße Rose“ oder dem polnischen Widerstandskämpfer Jan Karski, welcher Zeuge vieler deutscher Verbrechen im Osten wurde und diese Informationen an die Alliierten weiterleitete. Der vierte Tag stand im Zeichen eines Ausfluges zum höchsten Berg der Sudeten, zur Schneekoppe im Riesengebirge. Eine traumhafte Landschaft bei schönem Wetter begeisterte die Jugendlichen und ihre Begleiter.

 

Schülerinnen und Schüler der HBS auf der Veranda vom Berghaus/Kreisau
Foto: A. Winterhalder

 

Für eine menschlichere Welt

Am letzten Tag ging es in einer gemeinsamen Gesprächsrunde um die Frage, wie wir heute selbst uns für eine menschlichere Welt engagieren können. Wählen gehen, kritisch die Politik verfolgen, sich in Vereinen und/oder Organisationen für Mensch und Umwelt engagieren, sich privat im Konsumverhalten ökologischer und sozialer verhalten waren wesentliche Punkte der Diskussion. Zudem entschieden sich die deutschen und polnische Schüler Kinder und Jugendliche im Bürgerkriegsland Syrien zu unterstützen, indem sie gemeinsam mit ihren Begleitern sich für eine Spende von 1.000 Euro für die Arbeit von UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) in Syrien entschieden.
Im Rahmen der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft findet in Coventry (Großbritannien), Kreisau (Polen), Dresden und vielen weiteren Stätten weltweit jeden Freitag um 12:00 Uhr ein Versöhnungsgebet statt. Manche Teilnehmer der Austauschbegegnung nahmen in Kreisau daran teil. Nach einer herzlichen Verabschiedung von der polnischen Gruppe besichtigte die deutsche Gruppe auf der Rückfahrt noch die Frauenkirche in Dresden. Die HBS Rodgau bietet seit 2015 freiwillige Studienfahrten nach Polen an mit dem Schwerpunkt „Widerstand gegen die Nazi-Terrorherschaft damals – Engagement heute (UN Agenda 2030)“.

Die deutsch-polnische Austauschbegegnung wurde vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW), der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Gemeinde Turawa finanziell unterstützt.

 

A. Winterhalder