Teilnehmer des Symposiums betrachten die metallenen Fundstücke.

Teilnehmer des Symposiums betrachten die metallenen Fundstücke.

Am 24./25. November stellten die Organisatoren des deutsch-polnischen Forschungsprojekts „Alt Wartenburg – das ermländische Pompeji“ im Museum von Ermland und Masuren in Allenstein (Olsztyn) die Ergebnisse des Projekts vor. Drei Jahre lang hatten Wissenschaftler den Standort der im 14. Jahrhundert nur etwa 25 Jahre existierenden Siedlung genauer unter die Lupe genommen.

 

Im Jahr 1325 ließ der Bischof von Ermland Eberhard von Neisse die Wartenburg errichten. Einige Jahre später entstand eine Siedlung mit gleichem Namen, die 1354 von den Litauern niedergebrannt wurde. 1364 wurde Wartenburg (Barczewo) an seinem heutigen Standort neu gegründet, bei dem ersten Dorf liegt heute Alt-Wartenburg (Barczewko). Bereits in historischen Quellen ist laut Professor Christofer Herrmann von der Universität Danzig von „Aldenwartenburg“ die Rede. Die erwähnte Entstehungszeit der Siedlung etwa um das Jahr 1337 passe sehr gut zur zeitlichen Einordnung der Fundstelle mit Hilfe erhaltener Eichenbalken, so Andreas Kieseler, der stellvertretende Grabungsleiter im Projekt: „Mit der Dendrochronologie, der Altersbestimmung von Holz, konnten wir die Balken auf den Zeitraum um 1330 datieren.“

 

Außerdem war der Fund sehr reichhaltig. Die zum Symposium präsentierten Gegenstände sind nur einen kleiner Teil, wie Professor Herrmann betont: „Wir haben hier einen Effekt wie in Pompeji: das Dorf wurde in kurzer Zeit komplett zerstört, niemand hat es geplündert oder später dort gesiedelt.“ Anders als in Pompeji war der Grund aber kein Vulkanausbruch, sondern ein Angriff der Litauer. Dadurch sind viele alltägliche Gegenstände wie Schlösser oder Keramik und sogar die unterirdischen Teile eines Kaufhauses erhalten, in dem damals der komplette Handel ablief. „Da diese Gebäude andernorts später oft einem Rathaus weichen mussten, ist dies eine große Chance, sie zu analysieren und zu rekonstruieren“, ergänzt Professor Herrmann.

 

Text: Uwe Hahnkamp