Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, January 17, 2022

Justine Siegemund – die Hebamme der Königinnen

Medizin war noch vor einigen Jahrzehnten eine reine Männersache. Mit einer Ausnahme: der Geburtshilfe. In fast jedem Dorf gab es eine Hebamme, eine sogenannte Wehemutter. Doch Justine Siegemund, die Liegnitzer Stadt-Wehemutter, war nicht nur eine gewöhnliche Hebamme. Sie veröffentlichte das erste illustrierte Lehrbuch für Hebammen, das heute als einer der ersten medizinwissenschaftlichen Texte, die aus der Feder einer Frau stammten, gilt.

 

Justine Siegmund
Bild: Krzysztof Stręcioch

 

 

Justine Siegemund wurde am 26. Dezember 1636 in Rohnstock (Landkreis Schweidnitz) geboren. Angeblich begann ihr Interesse an der Geburtshilfe mit ihren eigenen gesundheitlichen Problemen. Mit 21 Jahren wurde bei ihr fälschlicherweise eine „eingebildete Schwangerschaft“ diagnostiziert. Das mangelnde Wissen ihrer künftigen Kolleginnen veranlasste sie zu eigenen Studien in dieser Materie. Alles, was Justine Siegemund darüber lernte, wie man Kinder zur Welt bringt, basierte auf ihren eigenen Beobachtungen, Nachforschungen und Erfahrungen. Sie war zunächst Dorfhebamme und entband Babys unter der armen Bevölkerung in Dörfern. Bald jedoch sprachen sich ihre außerordentlichen Fähigkeiten auch unter dem Adel herum. So konnte sie z.B. bei der Prinzessin Louise von Anhalt-Dessau, Regentin im Herzogtum Liegnitz und Brieg, einen Abszess operativ entfernen. Kein Arzt hatte sich getraut, diesen Eingriff vorzunehmen. Die Operation gelang und der Ruhm von Justine Siegemund wuchs. 1683 wurde sie offiziell zur Stadthebamme in Liegnitz ernannt. 1701 wurde sie zur Hebamme am Hof des preußischen Fürsten Friedrich Wilhelm in Berlin berufen. Etliche Adelige haben sich Justine Siegemund oft zu Geburten ihrer Frauen „ausgeliehen”.

 

Angeblich war es die Königin Maria II Stuart selbst, die Justine Siegemund dazu riet, ein Lehrbuch über Geburtshilfe zu schreiben. So erschien 1690 das illustrierte Lehrbuch „Die Chur-Brandenburgische Hoff-Wehe-Mutter”. Das Lehrbuch wurde später mehrfach wieder aufgelegt, noch viele Jahre nach Justine Siegemunds Tod.

Anna Durecka

 

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