Bauernteppich

Kunst diente im Dritten Reich vor allem der Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien. Nach 1945 suchten polnische Wissenschaftler in der Kunst nach slawischen Wurzeln. Davon waren auch Ostpreußische Bauernteppiche betroffen.

 

Konrad Hahm war Direktor des Museums für Deutsche Volkskunde 1928-1943. Er behauptete, die Wurzeln des Webens würden in Skandinavien liegen und widersprach der bis dahin gängigen Meinung, das Weben sei mit dem Tatarensturm 1656 nach Ostpreußen gekommen. „Seine Ausführungen sind sachlich. Aber unterschwellig ist die Ideologie jener Zeit spürbar“, erklärt Dr. Ewa Gładkowska. Die Kunsthistorikerin von der Ermländisch-Masurischen Universität sprach am 7. Dezember in Allenstein (Olsztyn) über die Kunst des Webens in Masuren. Grundlage des Vortrags war das Buch „Ostpreußische Bauernteppiche“ von Konrad Hahm aus dem Jahr 1937. Darin analysiert Hahm 43 Teppiche aus dem 18. und 19. Jahrhundert überwiegend aus dem Raum Lyck (Ełk). „Solche Teppiche hatten damals, 1937, bereits Sammlerwert“, so Dr. Gładkowska, „auch wenn in vielen Familien noch gewoben wurde, war das kunsthandwerkliche Weben so gut wie ausgestorben.“ Dank des Buches von Konrad Hahm eröffnete 1954 die Weberin Barbara Hulanicka aus Nikolaiken (Mikołajki) eine Weberei-Genossenschaft und gab ihr Wissen und die alten Muster an andere Frauen weiter. Ob diese Tradition letztendlich skandinavische oder slawische Wurzeln hatte, spielte für die keine Rolle.

 

Uwe Hahnkamp, mb