Die Stiftung „Borussia“ hat in Allenstein das diesjährige Mendelsohn-Festival organisiert. Unter dem Motto „Spuren“ hatte sie ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt, in dem die Gäste Spuren verschiedener Nationen auf unterschiedliche Weise suchen konnten.

Diskussionsgruppe bei der Werkstatt “Das imperiale Projekt Ostpreusens”
Foto: Uwe Hankamp

 

 

Ein Schwerpunkt in diesem Jahr waren vor allem Veranstaltungen für Schüler zur Spurensuche in Sprache und Literatur. Es gab u.a. Stadtspaziergänge zur multikulturellen Vergangenheit Allensteins, eine Werkstatt zur arabischen Küche und einen Abend mit israelischem Wein.

 

 

Als deutschen Faden im Gewebe des Mendelsohn-Festivals gab es zwei Veranstaltungen: eine Werkstatt des Deutschen Historischen Instituts in Warschau für Lehrer zum Thema „Imperiales Projekt Ostpreußens“ und einen Vortrag zum Dichter Arno Holz. Die Werkstatt unter Leitung von Dr. Felix Ackermann und Dr. Christhardt Henschel beleuchtete ein wenig erforschtes Thema – die Umgestaltung der im Zweiten Weltkrieg annektierten und an Ostpreußen angegliederten polnischen Gebiete um Zichenau, Białystok und Grodno. Eine für weitere Gäste offene Diskussion mit dem Titel „Düstere Hinterlassenschaft Ostpreußens“ warf dann die Frage auf, wie heute die regionale Dimension des Nationalsozialismus in Nordostpolen wahrgenommen wird und wie im Alltag damit umgegangen werden kann. „Hier gibt es einen deutlichen Unterschied. In den annektierten Gebieten werden in Verbindung mit der Okkupation noch existierende Gebäude bewusst gesehen. Die neuen Bewohner des südlichen Ostpreußen ignorieren solche Spuren eher, da sie sie nicht als ihr kulturelles Erbe sehen“, so Dr. Henschel.

 

Zum kulturellen Erbe der Region zählt der in Rastenburg geborene und in Berlin als Zeitgenosse von Erich Mendelsohn wirkende Dichter Arno Holz. Er hatte großen Einfluss auf die damalige Literatur und wurde einige Male für den Nobelpreis nominiert. Sein größtes Werk „Phantasus“ hat der ebenfalls aus Rastenburg stammende Schriftsteller Dr. Krzysztof Szatrawski übersetzt. Zuletzt veröffentlichte er Holz´ Werk „Neun Liebesgedichte“ in einer zweisprachigen Ausgabe. Im Rahmen des Mendelsohn-Festivals stellte er Leben und Werk von Arno Holz vor.

 

Das Festival der Stiftung “Borussia” ist nach Erich Mendelsohn benannt, dem 1887 in Allenstein geborenen, weltberühmten Architekten der Moderne.

 

 

Uwe Hahnkamp