Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, January 27, 2023

Stärke durch einen schwachen Euro

In Europa und den USA haben mächtige Konzerne wie LVMH, Kering, Hermès und Prada kürzlich Rekordumsätze gemeldet. Weltweit sind ihre Verkaufszahlen und Gewinne um 20 bis 30 Prozent gestiegen und die Kunden haben offenbar die Preiserhöhungen akzeptiert.


Im Gegensatz zu anderen Branchen besteht die Kundschaft der Luxusgüterhersteller aus wohlhabenden Privatpersonen. Sie „reagieren weniger empfindlich auf die Inflation und das Risiko einer Rezession und haben auch weniger Sorgen um ihren Arbeitsplatz“, erklärt Arnaud Cadart, Portfoliomanager bei Flornoy. Die Geschäfte laufen weltweit gut, mit Ausnahme von China, wo strenge Pandemiebeschränkungen in letzter Zeit zu einer schwächeren Nachfrage geführt haben. Ein Beispiel: In der ersten Hälfte dieses Jahres steigerte die Luxusmodemarke Prada ihren Umsatz in Europa um 89 Prozent, vor allem dank einer Erholung des Tourismus. Auch der französische Bekleidungshersteller Moncler profitierte mit einem Umsatzanstieg von 42 Prozent. Hinzu kommt, dass sich der schwache Euro ebenfalls positiv auf die Erträge der Luxusgüterhersteller ausgewirkt hat.

In der ersten Hälfte diesen Jahres steigerte die Luxusmodemarke Prada ihren Umsatz in Europa um 89 Prozent.
Foto: Pavel Gromov/Wikipedia

Faktor Umsatzwachstum
Vor allem US-Kunden kauften wegen des starken Dollars gerne Luxusartikel: „Wir verkaufen jetzt vier Mal mehr an US-Bürger in Europa als im letzten Jahr“, sagt Jean-Marc Duplaix, Finanzchef von Kering, zu dem Luxusmarken wie Gucci, Yves Saint Laurent und Balenciaga gehören. Der schwache Euro hat für die Hersteller von Luxusgütern einen doppelten Nutzen. Der größte Teil der Produktion findet in Europa statt, das aufgrund des schwachen Euro derzeit relativ günstig ist und andererseits werden die Produkte oft ins Ausland verkauft, wo sie mit dem derzeit starken Dollar bezahlt werden. So konnte einer der größten Luxusgüterhersteller der Welt, der französische Mischkonzern LVMH, seinen Umsatz in der ersten Hälfte dieses Jahres um 28 Prozent steigern. Ein Viertel dieses Anstiegs sei auf Währungseffekte zurückzuführen, erklärte das Management.

„Den Kunden sind Preiserhöhungen egal”
Die Hersteller von Luxusgütern können die steigenden Preise für Einstiegsprodukte und Rohstoffe ohne große Probleme an ihre wohlhabenden Kunden weitergeben: „Die Kunden machen sich vorerst keine Sorgen über Preiserhöhungen“, erklärt Pierre Michaud, Manager bei Monocle, und fügt hinzu: „Die Verkaufsleistung in Frankreich ist um 41 Prozent gestiegen, ein neuer Rekord.“ Trotz der allgemein noch unsicheren Wirtschaftsaussichten sind die Hersteller von Luxusgütern derzeit zuversichtlich. Das französische Unternehmen Kering beispielsweise, in dem Markenartikelhersteller zusammengeschlossen sind, kündigte im Juni an, den Umsatz der Modemarke Yves Saint Laurent auf fünf Milliarden Euro pro Jahr verdoppeln zu wollen. Ferrari hingegen will seinen Umsatz bis 2026 auf 6,7 Milliarden Euro steigern, was einem Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem für dieses Jahr prognostizierten Umsatz entspricht.



K. Ś.

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