Robert Kokot und Karolina Fronia sind die beiden erstplatzierten in der Kategorie der Oberschulen.
Foto: BJDM-Oppeln Zentrum

Am Dienstag (11.06.2019) fand im Kochanowski-Theater in Oppeln das Finale des 25. Rezitationswettbewerbs „Jugend trägt Gedicht vor“ statt. Von mehr als 800 Teilnehmern auf der Gemeindeebene haben es 77 zum Finale geschafft und präsentierten Gedichte aus unterscheidlichen Epochen.

 

Neben Goethes “Erlkönig” und Paul Celans “Todesfuge” erklang auf der Bühne auch Erich Kästners “Schaliche Romanze” oder “PC-Sucht” eines unbekannten Autors. Die bunte Mischung zeigt, dass sich der Rezitationswettbwerb in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hatte. “Als vor einem viertel Jahrhundert Józef Kotyś, der damals für die Kulturarbeit der Deutschen Minderheit zuständig war, den Wettbewerb ins Leben gerufen hatte, sollte es vor allem darum gehen, die großen schlesischen Dichter wieder bekannter zu machen”, erinnert sich Zuzanna Donath- Kasiura, Kotyśs Nachfolgerin und heute stellvertretende Geschäftsführerin der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen, die den Wettbewerb organisiert. Deshalb wurden auch sog. Kompedien mit Texten vorbereitet, um den Lehrern zu helfen. “So einfach war es damals nicht an Gedichte in deustcher Sprache heranzukommen. Und als wir später auch auf zeitgenössische deutsche Lyriker gesetzt haben, waren die Materialien auch eine große Unterstützung”, sagt Zuzanna Donath-Kasiura und unterstreicht, dass heute im Zeitalter des Internets eine solche Hilfe nicht mehr nötig ist und oft suchen sich die Teilnehmer selbst ihre Gedichte aus.

 

Beim großen Finale der 77 Finalisten, also der Besten aus ca. 3000 Teilnehmern, denn so viele melden sich auf der Schulebene jährlich an, war es für die Jury unter der Leitng der Oppelner Germanistin Prof. Daniela Pelka keine leichte Aufgabe Plätze zu vergeben. „Man sieht wirklich, dass die Finalisten alle auf einem hohen Niveau sind und das verdanken sie natürlich ihrem eigenen Ehrgeiz aber auch der Unterstützung der Eltern und Lehrer“, sagt Prof. Pelka. Und ein Beweis für ihre Worte ist Robert Kokot, der in Oppeln die Elektrische Oberschule besucht. Er ist in der Kategorie der Ältesten Teilnehmer einer von zwei und verrät: „Ich habe schon seit April geübt, und zwar fast jeden Tag vor dem Spiegel gesessen und das Gedicht geprobt, bis es gepasst hat“.

 

 

Nun können er und die anderen Sieger sich über ihren Erfolg freuen. Zuzanna Donath-Kasiura dagegen freut sich über die Tiefenwirkung des Rezitationswettbewerbes: „Wenn man sich die jungen Menschen ansieht, merkt man, dass die Gedichte nicht einfach auswendig gelernt und aufgesagt werden. Die Kinder und Jugendlichen verstehen, was sie da sagen, sonst könnten sie die Gedichte nicht so interpretieren. Und das zeigt uns, den Organisatoren, dass die deutsche Sprache lebendig ist“.

 

So wird es auch in den kommenden Jahren weitere Auflagen des Rezitationswettbewerbs „Jugend trägt Gedichte vor“ geben. Wer es in diesem Jahr nicht geschafft hatte, kann sich Anfang 2020 in seiner Schule erkundigen und sein Glück versuchen.

 

Der Wettbewerb wird finanziell unterstützt vom Bundesinnenministerium über den VdG und dem polnischen Ministerium des Inneren und der Verwaltung.

 

Rudolf Urban

 

Die Gewinner des diesjährigen Rezitationswettbwerbs sind:

In der Kategorie 4. bis 6. Klasse – 1. Platz Maja Gerstenberg aus Oberglogau und Daniela Czeczor aus Raschowa, 2. Platz Stella Kaniak aus Rosenberg, 3. Platz Andreas Drescher aus Zellin;

In der Kategorie 7., 8. Klasse und Gymnasium – 1.Platz Marzell Rogosch aus Oberglogau, 2. Platz Laura Quaschniok-Quade aus Malapane, 3. Platz Julia Mutz aus Konty und Lukas Zembok aus Solarnia;

In der Kategorie Oberschulen – 1. Platz Aleksandra Koteluk aus dem III Lyzeum in Oppeln und Robert  Kokot aus der Elektrischen Oberschule in Oppeln, 2. Platz Karolina Fronia aus dem II Lyzeum in Oppeln, 3. Platz Patrycja Kuc aus dem Lyzeum in Groß Döbern.