Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, December 10, 2022

Wächter der Geschichte

 

Die Gesellschaft der deutschen Minderheit Stadt und Kreis Elbing ist gerade 30 Jahre alt geworden und somit der älteste deutsche Verein in der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Fast von Beginn an dabei ist die derzeitige Vorsitzende Rosemarie Kańkowska. Mit ihr sprach Uwe Hankamp.

 

Rosemarie Kańkowska bei der Delegiertenversammlung des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, 2018.
Foto: Lech Kryszałowicz

 

 

Frau Kańkowska, wann entstand die Elbinger Gesellschaft und zu welcher Region gehört sie?

Die erste Initiative der hier in der Region Pomesanien lebenden Deutschen begann bereits im Jahr 1989. Ihr Ergebnis war die Registrierung der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der deutschen Minderheit im Woiwodschaftsgericht in Elbing am 3. April 1990. Da waren noch die Freunde aus Marienwerder, Marienburg und Dirschau/ Tczew mit dabei. Da die Mitgliederzahlen sehr schnell anwuchsen, entwickelten sich dort wie hier eigenständige Gesellschaften.

Seit der Gebietsreform 1999 in Polen gehört Elbing zur Woiwodschaft Ermland-Masuren, sodass wir als Gesellschaft der deutschen Minderheit in Elbing einige Jahre später dem Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren beitraten. Doch wir haben weiterhin gute direkte Kontakte in unserer Region und nach Danzig.

 

 

Welche Projekte wurden anfangs angestoßen?

Das war von Beginn an ein gewisser Spagat. Einerseits ging es uns um die Integration unserer Gemeinschaft in die Gesellschaft unter Wahrung der Rechte auf eigenständige Kultur und Identität. Die Stadt Elbing hat uns übrigens bereits damals die Lokalität in der Kopernikusstraße vermietet, in der sich bis heute unser Sitz befindet. Andererseits wollten wir uns nicht isolieren, sondern mit verschiedenen Einrichtungen der Stadt und der Region zusammenarbeiten. Ein Beispiel dafür war ganz am Anfang unsere Unterstützung für eine Kläranlage in Tolkemit, dann auch für das Dach der ehemaligen Marienkirche, die heute als Museum genutzt wird und für andere Gebäude im Stadtzentrum. Polen war noch nicht in der Europäischen Union, und wir konnten bei Anträgen zur Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit helfen – vor allem, wenn es um die deutsche Sprache ging.

 

 

Apropos deutsche Sprache – wie sieht es damit in der Gesellschaft der deutschen Minderheit aus? Wie hilft sie Euch bei Euren Kooperationen?

Wir haben uns von Anfang an darum gekümmert, dass wir Deutschunterricht organisieren konnten. Nicht für die älteste Generation, die hatte ja die Sprache noch in der Schule. Ich selber stamme aus der Gegend von Oppeln, bin erst später nach Elbing gekommen und spreche sehr gut deutsch. Die mittlere und jüngere Generation dagegen konnte diesen Unterricht gut gebrauchen. Leider ging der Schuss etwas nach hinten los: Menschen mit guten deutschen Sprachkenntnissen gingen zum Arbeiten oder später ganz nach Deutschland. Der Vorteil ist andererseits, dass die jungen Menschen von dort uns häufig auch unterstützen können.

Wir betreuen wir deutsche Reisegruppen in deutscher Sprache, wir haben zur Entwicklung der Städtepartnerschaft zwischen Elbing und der ostfriesischen Stadt Leer nicht wenig beigetragen, und wir unterstützen Personen mit Wurzeln in Elbing, wenn sie hierher kommen und nach Informationen suchen. Dazu gehören auch der ehemalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann oder Kanzlerin Angela Merkel, der wir bei der Suche nach dem Grab ihrer Großeltern helfen konnten. Übrigens stammt der Initiator der Städtepartnerschaft mit Leer, Herr Schrock, auch aus unserer Stadt. Außerdem helfen wir über die Sprache bei sozialen Projekten.

 

 

Wie ist das zu verstehen?

Es kommt häufig vor, dass ehemalige Elbinger hierher kommen und helfen wollen, es ihnen aber an polnischen Sprachkenntnissen fehlt. So zum Beispiel Erwin Vollerthun aus Krumbach in Bayern, dessen Eltern hier aus der Region stammen und der seit Jahren nicht nur uns, sondern auch die soziale Organisation Stiftung Elbing und verschiedene Einrichtungen der Stadt mit Geld- und Sachspenden unterstützt. Als die Lazarus-Sozialstation eingerichtet wurde, haben wir gleichfalls geholfen. Das ist doch selbstverständlich. Andererseits freut uns natürlich die Anerkennung, die wir dafür unter anderem von der Stadt erfahren. Zu unserem 25-jährigen Jubiläum vor fünf Jahren wurden wir für unsere Verdienste für die Stadt und ihre Entwicklung mit einer Urkunde und einer Skulptur geehrt.

 

 

Was hat es mit dem Titel „Wächter der Geschichte“ auf sich, den Euch Lech Kryszałowicz, der Redakteur des „Mitteilungsblatts“, verliehen hat?

Da hat er, glaube ich, zwei unserer Aktivitäten im Blick. Das eine ist unser eigenes Interesse an der Geschichte unserer Stadt und Region. Wir veranstalten neben den regelmäßigen Treffen im Verein immer wieder Vorträge zu geschichtlichen Themen, gehen zu Ausstellungen ins Archäologisch-Historische Museum in Elbing und laden regionale Historiker zu uns ein. Auch die Tradition der Elbinger „Adventsmütterchen“, die einst in der Vorweihnachtszeit Spenden gesammelt haben, setzen wir bei unseren Adventstreffen fort.

Das andere sind unsere Kontakte zu Schulen und Hochschulen in der Stadt. Die Lehrer laden uns ein, um zu erzählen, wie es hier früher war. Die Schüler kommen zu uns in den Verein und häufig auch zur Adventsfeier, sodass wir auf diese Weise unsere Geschichte weitergeben. Momentan ist das wegen Corona natürlich etwas eingeschlafen und in der Hochschule studiert gerade niemand Deutsch, aber das Interesse an unserem Wissen ist da. Und wir erzählen gerne.

 

 

Wie sieht die Zukunft der Gesellschaft aus? Wie feiert Ihr das Jubiläum?

Unser Jubiläum wollten wir groß am 28. Mai feiern. In der Woche davor wollte eine große Gruppe der Landsmannschaft Ostpreußen kommen. Aber da hat uns das Corona-Virus leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hoffen, wir können die Feier auf den Herbst verschieben.

Zurzeit haben wir eine Gruppe von 17 Kindern, die Deutsch lernen und regelmäßig kommen. Bei den Jugendlichen sieht es nicht so gut aus, um so wichtiger sind die Kontakte zu den Schulen, weil dort auch ´unsere´ Schüler mit dabei sind. Da gibt es auch in Zukunft noch etwas zu tun.

 

 

 

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