Im Prinzip ist die evangelisch-augsburgische Kirchengemeinde in Passenheim für die „Passenheimer Orgel- und Kammermusikkonzerte“ im Sommer bekannt, zu denen im Juli und August Organisten und andere Musiker aus aller Welt erwartet werden. In diesem Jahr eröffnete Pfarrer Witold Twarzik die Saison unabhängig davon bereits in der Osterzeit – mit zwei unterschiedlichen Konzerten am 3. und 14. April.

Foto: Uwe Hahnkamp
Die Ostertage lagen früh im Kalenderjahr, das Wetter zeigte sich in der Woiwodschaft Ermland-Masuren von seiner feucht-kühlen Seite. Dennoch zog es die Musikanten des Posaunenchors Biegen 1955 und ihre Kolleginnen und Kollegen aus Müllrose in den Nordosten Polens. Beide Orte liegen in der Nähe von Frankfurt/Oder, wo ihr musikalischer Leiter Rainer Pfundstein die Musikschule leitet. Während die Blechbläser aus der Kirchengemeinde Biegen bereits zum dritten Mal in Polen unterwegs waren, war es für die Müllroser die Premiere.
Von der Renaissance bis zur Moderne
Für das Konzert am 3. April in der über 600 Jahre alten evangelischen Kirche in Passenheim spannten sie einen weiten zeitlich-musikalischen Bogen von der Renaissance bis zu zeitgenössischen Komponisten. Zu Anfang spielten sie als Reminiszenz an die polnischen Gastgeber ein Werk des Renaissance-Komponisten Marcin Leopolita aus Lemberg/Lwiw. „Das ist der Ausgangspunkt unserer Musik. Danach wollten wir mit Michael Prätorius, Mozart und Ludovico Grossi einen Zug durch die Musikgeschichte machen“, fasste Rainer Pfundstein die Idee zusammen. Und welche Namen sollte man sich aus der heutigen Zeit merken? „Ein Komponist ist Traugott Fünfgeld aus einer Kirchenmusikerfamilie, dessen Werk ‚Sonne der Gerechtigkeit‘ wir vorgestellt haben. Der zweite ist Matthias Eckart mit seinem ‚Marche Religieuse‘; er hat mit mir in Würzburg Posaune studiert. Es ist schön, wenn man so jemanden im Team haben kann“, erklärte Rainer Pfundstein am Ende des Konzerts.
Dass ein Posaunenchor mit Laienmusikern nahe der deutsch-polnischen Grenze für Konzerte einmal quer durch Polen fährt, ist eher ungewöhnlich. Es gibt aber schon seit 28 Jahren Kontakte nach Masuren.
Dass ein Posaunenchor mit Laienmusikern nahe der deutsch-polnischen Grenze für Konzerte einmal quer durch Polen fährt, ist eher ungewöhnlich. Es gibt aber schon seit 28 Jahren Kontakte nach Masuren, auch im Ensemble haben ehemalige Einwohner der Region mitgespielt und ihre Kinder und Enkel bringen heute ihre musikalischen Fähigkeiten ein. „Wir haben mit Siegfried Kalisch auch einen Mitgründer des Posaunenchors dabei. Leider nicht mehr aktiv am Instrument, das musste er vor zwei Jahren aufgeben. Im nächsten Jahr feiern wir dann unter anderem dank ihm unser 70-jähriges Bestehen“, ergänzte Rainer Pfundstein.
Deutsche Blechbläser, polnische Sänger
Während die Posaunenchöre mit viel Gepäck auch ein wenig zum Urlaub in Masuren vorbeikamen, hatten die Sänger für das „Osterkonzert der Chöre“ am 14. April in der Filialkirche der Pfarrgemeinde Passenheim in Mensguth/Dźwierzuty leicht zu tragen und eine kurze Anreise. Pfarrer Witold Twardzik war es gelungen, an jenem Sonntagabend gleich fünf Chöre zu vereinen. Drei davon kamen aus Neidenburg/Nidzica – der Chor „Castellanum“, der Chor der evangelisch-augsburgischen Gemeinde und der Chor der deutschen Minderheit. Einige Sängerinnen der Minderheit sind sogar in allen drei Ensembles aktiv.

Foto: Uwe Hahnkamp
Ergänzt wurde das Programm durch den Chor „Pasjonata“ aus Schwentainen/Świętajny, der in Mensguth häufiger zu Gast ist und Sängerinnen und Sänger aus dem ländlichen Raum des Kreises Ortelsburg/Szczytno vereint. Außerdem trat der Chor der katholischen Gemeinde aus dem Wallfahrtsort Heiligelinde/Święta Lipka auf, der sonst in seiner Kirche die Messen musikalisch umrahmt und von der dortigen, bekannten Orgel begleitet wird. Kurz gesagt – eineinhalb Stunden geballte Sangeskunst und am Ende, wie seit zwei Jahren bei diesen Konzerten üblich, die Bitte um Frieden mit dem Kanon „Dona nobis pacem“. Möge diese Bitte erhört werden!
Uwe Hahnkamp

