Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, May 25, 2022

Wort zum Sonntag von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski

Fest der Taufe Jesu – C

  1. Lesnug: Jes 40, 1-5. 9-11
  2. Lesung: Tt 2, 11-14; 3, 4-7

Evangelium: Lk 3, 15-16. 21-22

 

Die fröhlichen Tage der Weihnachtszeit gehen mit dem Fest der Taufe Jesu im Jordan zu Ende. Der Alltag bricht ein. Wir gehen in einen Abschnitt der Sonn- und Werktage im Jahreskreis, wie sie in der katholischen Kirche genannt werden. Die Taufe Jesu eröffnet sie mit einer klaren Botschaft: Das Leben braucht die Vergebung der Sünden und einen Neubeginn aus dem Wasser und der Kraft des Heiligen Geistes. Das Leben benötigt die Freiheit von den Fesseln des Übels und die Freiheit für die Werke der Liebe. Die Taufe ist die Neugeburt zu einem Leben in Wahrheit, Freiheit und Liebe. Diese drei Begriffe haben allerdings eine vielfältige Bedeutung. Sie werden unterschiedlich verstanden und gedeutet.

 

Nehmen wir beispielsweise die Freiheit. Immanuel Kant (1724-1804), ein deutscher Philosoph, der zu den bedeutendsten abendländischen Denkern gehört, hat viel über sie geschrieben. Er unterscheidet u.a. zwischen der positiven und negativen Freiheit. Die positive besteht aus der inneren Entscheidungskraft, die aus vielen Möglichkeiten die Besten wählt und sie verantwortlich nutzt. Unter der negativen Freiheit versteht Kant einen Zustand, indem der Mensch frei von dem ist, was ihm das Leben erschwert bzw. seine Entfaltung aus eigenen, vernünftigen Entscheidungen hemmt.

 

Die Taufe ist der Startpunkt, der Beginn eines Weges in die christliche Freiheit. Besonders die Jugendlichen von heute tun sich mit dieser Feststellung schwer. Der Bischof von Passau, Stefan Oster, bemerkt, dass viele Jugendliche die Kirche mit einer Institution verbinden, die Freiheit einschränkt und Verhaltensregeln hat, die beginnen mit “Du musst”, “Du sollst”, “Du darfst nicht”. Gleichzeitig wollen die Jungen Menschen genauso deutlich nicht in der Beliebigkeit oder der Sklaverei einer Sucht enden. Bei der Freiheit, welche Jesus anbietet, geht es um die bedachte Hinwendung zum Evangelium, um die Erkenntnis der Wege Gottes, um das Sich-Leiten-Lassen vom Heiligen Geist. Er führt in die Freiheit. Durch seine Kraft werden die Sünden vergeben und der Mut gute Werke zu vollbringen wird gestärkt. In der  christlichen Freiheit befinden sich die motivierenden Anregungen: „Du darfst“, „Du kannst es“, „Du hast die nötigen Fähigkeiten“ – aus deiner freien Entscheidung Gutes zu tun. Die Verhaltensweisen, auf welche Jesus hinwies und die er selbst lebte, sind Wegweiser, die eine Freiheit ohne Irrwege absichern.

 

Diese Sichtweise entspringt u.a. dem Brief des Apostel Paulus an Titus: „Die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten. Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben. (…) Als die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns nach seinem Erbarmen gerettet – durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist (…) damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen.“

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