Dass man nicht hoch klettern muss, um wunderschöne Panoramen zu bewundern, haben wir in unserer Reihe schon mehrmals bewiesen. In den Mittelsudeten bietet solch eine Gelegenheit vor allem der Herrleinberg.

 

 

 

Unser Ziel ist diesmal Langenbielau (Bielawa), das sehr nah bei Reichenbach (Dzierżoniów) und etwas über eine Stunde mit dem Auto von Breslau (Wrocław) entfernt liegt. Im Stadtzentrum gibt es mehrere Parkmöglichkeiten. Es ist ein Ort mit einer sehr langen und interessanten Geschichte. Bereits im späten Mittelalter war es ein durch Weberei bekanntes Dorf. Einen schnellen Entwicklungsschub bekam es im 19. Jahrhundert, als die Textilindustrie aufblühte, bis der Ort 1924 zur Stadt wurde. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten Sehenswürdigkeiten.

 

Zurück ins Jahr 1900

Interessant sind vor allem die Mariä-Himmelfahrtskirche aus dem Jahr 1876, die Heilig-Geist-Kirche von 1929 und die ehemals protestantische Fronleichnamskirche aus dem Jahr 1743. An der Wojska-Polskiego-Straβe befindet sich das 1598 durch die Familie von Schonfeld gebaute Gutshaus, das nach einem Brand im Jahre 1877 wiederaufgebaut wurde. Um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts. wurden das Rathaus, insgesamt fünf Schulgebäude, zwei Krankenhäuser, zwei Postfilialen, der Bahnhof, die Feuerwache und zahlreiche Wohnhäuser gebaut. Ein Spaziergang durch die Stadt fühlt sich also fast wie eine Zeitreise ins Jahr 1900 an.

Aus dem Zentrum sollten wir uns in Richtung des Kreisverkehrs „Rondo Bielbawu“ begeben und dort nach dem gelben Wanderweg ausschauhalten. Die gelben Zeichen werden uns bis ans Ziel führen, was 30 bis 40 Minuten dauern sollte. Es ist ein einfacher Anstieg, nur kurz vor dem Gipfel ist es etwas steiler.

 

Auf dem Gipfel der Zwerge

Mit 455 m ist der Herrleinberg eine der höchsten und auf jeden Fall die bekannteste Spitze der Bielauer Hügel. Der Name ist vor allem von der Fee Herrle abzuleiten, die in der germanischen Mythologie mit Zwergen verbunden war. Um Langenbielau und den Herrleinberg selbst wurden auch Legenden erzählt, in denen Zwerge die Hauptrolle spielten. Diese wurden unter anderem auf dem Bild des Malers Oskar Adams „Rückkehr der Zwerge“ verewigt, an sie erinnert auch die Säule, die 1938 im Brunnen auf dem Ring gebaut wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts entstand beim Gipfel ein großes Restaurant mit Garten, das später auch als Berghütte diente. Danach wurde auch eine Schlittenbahn gebaut. Im Jahre 1900 wurde an der Hauptspazierallee eine Statue von Karl Jaeschke, dem Gründer des Eulengebirgsnvereins (EGV) enthüllt, 1921 folgte darauf eine Statue von Paul Felsmann, des Vorsitzenden des EGV. Am 20. Juni 1921 besuchten die ersten Wanderer den Aussichtsturm, der den Namen Wolfgang Dierigs trug. Dieser Stifter des Turmes war zugleich ein bekannter Bielauer Industrieller und Mitglied des EGV.

1947 brannte das Restaurant ab, es wurde nicht wiederaufgebaut. Die Schlittenbahn wurde durch einen 200 Meter langen Skilift ersetzt. Im Juli 1996 renovierte man den Aussichtsturm, der bis heute ein wunderschönes Panorama bietet. Vor allem ist Langenbielau sichtbar, man genießt aber auch Ausblicke auf das Eulengebirge mit der Hohen Eule, das Warthagebirge und das Sudetenvorland mit dem Zobtenberg.

 

 

Text/Foto: Łukasz Malkusz