Das nördlich von Hirschberg (Jelenia Góra) gelegene Bober-Katzbach-Gebirge ist eine der wenigen Gebirgsketten in den Sudeten, die wir noch nicht besucht haben. Ihre Gipfel sind zwar nicht besonders hoch, dafür hat die Gegend eine sehr interessante Geschichte.

 

Der Kammerspass bietet vor allem wunderschöne Ausblicke auf das Riesengebirge.
Foto: Łukasz Malkusz

 

Um unsere Wanderung zu beginnen, besuchen wir Kammerswaldau (Komarno). Im späten Mittelalter gegründet, war es bis 1945 ein fast ausschließlich von Deutschen bewohntes Dorf. Stumme Zeugen der Vorkriegsgeschichte sind heute die Johanneskirche aus dem 14. Jahrhundert, die evangelische Kirche aus dem 18. Jahrhundert sowie das Schloss, das im 19. Jahrhundert durch die Familie von Loesch gebaut wurde. Diesmal beginnt der Spaziergang aber nicht im Dorf selber, sondern kurz hinter den letzten Gebäuden, und es geht auf den Kammerspass.

 

 

Der Pass der drei Berghütten

 

Der Pass macht heute keinen imposanten Eindruck, war aber noch vor 80 Jahren ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Es befanden sich hier gleich drei Berghütten. Die Schafbergbaude ist die einzige, dessen Gebäude noch bis heute steht. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde sie vor allem von Mitgliedern des Riesengebirgsvereins besucht, nach 1945 wurde sie in eine Försterei umfunktioniert. Heute ist das Gebäude Privatbesitz. Von der Kaffeebaude und der Kammersbergbaude sind leider keine Spuren mehr übrig.

 

Heute kann man es sich kaum vorstellen, vor dem Zweiten Weltkrieg befanden sich hier jedoch gleich drei Berghütten. Foto: Łukasz Malkusz

 

Welcher Berg ist der höchste?

 

Mit 724 Metern wird der Kammersberg in den meisten Quellen als höchster Gipfel des Bober-Katzbach-Gebirges genannt. Manchmal wird hier aber auch der Schafberg angegeben, der offiziell 723 Meter hat, oder sogar der Vorwerksberg, dessen Höhe meistens auf 720 Meter geschätzt wird. Was bleibt also einem Wanderer, der unbedingt die höchste Spitze der Gebirgskette besteigen will? Die sicherste Lösung ist alle drei Gipfel zu besteigen. Klingt zwar schwierig, ist aber problemlos in einer Stunde zu bewältigen. Besonders gute Ausblicke bietet zwar keiner der Berge, dafür ist das Panorama vom Kammerspass wunderschön. Außer der interessanten Geschichte ist dies ein Grund mehr, die Gegend zu besuchen.

 

 

Alle Ziele in einer Stunde

Auf dem Kammerspass sehen wir uns nach dem blauen Wanderweg um und folgen seinen Zeichen nach Oben. Es dauert etwa 15 Minuten, bis wir genau zwischen den Gipfeln des Kammerberges und des Schafsberges sind. Hier verlassen wir den Wanderweg. Der Besuch beider Spitzen dauert keine fünf Minuten. Interessanter ist die des Kammersbergs, wo unter anderem ein Stempel zu finden ist, mit dessem Abdruck man den Ausflug beweisen kann.
Der Rückweg auf den Pass nimmt weitere zehn Minuten in Anspruch, und so bleibt uns noch der Vorwerksberg. Hier ist es etwas komplizierter den Gipfel zu finden, denn kein Wanderweg führt dahin. Man muss nach einem Waldweg Ausschau halten, der neben den Resten eines Holzzaunes, direkt gegenüber den Hängen des Kammersbergs hoch führt. Falls man den richtigen Weg findet, ist man nach weiteren zehn Minuten am Ziel. Auf diese Weise besucht man in nicht einmal einer Stunde das ganze Dach des Bober-Katzbach-Gebirges.

 

 

Łukasz Malkusz