Beim 3. Treffen der Deutschlandexperten in Breslau. Foto: Marie Baumgarten

 

Zwei Themen dominierten die Deutschlandkonferenz vom 30. November bis 02. Dezember im Willy-Brandt-Zentrum Breslau: Die politische Situation in Deutschland und das diesjährige Reformationsjubiläum.

 

 

Der Direktor des Schlesischen Museums in Görlitz, Dr. Markus Bauer, und seine Mitarbeiter sowie Vertreter des Deutschen Kulturforum Östliches Europa zeigten sich beim dritten Treffen der Deutschlandexperten im Willy-Brandt-Zentrum Breslau erfreut über den aus ihrer Sicht sehr erfolgreichen kulturellen Austausch aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums. Sie machten gemeinsam vor allem auf die Wanderausstellung „Reformation im östlichen Europa“ aufmerksam, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Grenzen aufzubrechen.

 

 

„Wir wollen den Menschen zeigen, dass es eine gemeinsame europäische Kultur gab und gibt“, sagt Tanja Krombach vom Deutschen Kulturforum östliches Europa. So verstehen sich beispielsweise die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder wie auch die Hussitische Kirche heute als Erben der evangelisch-lutherischen Tradition in Tschechien, nachdem die Lutherische Kirche dort durch die Vertreibung der Deutschen nicht mehr heimisch ist. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Deutschen Kulturforums östliches Europa.

 

 

Neben dem Reformationsjubiläum war die aktuelle politische Lage der Bundesrepublik zentrales Thema der Deutschlandkonferenz. Aleksandra Moroska-Bonkiewicz vom Institut für Sicherheit und internationale Angelegenheiten an der niederschlesischen Hochschule Breslau sprach über die Erstarkung der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD). Lesen Sie darüber im Interview:

 

 

In Polen blicke man besorgt auf die Erstarkung der AfD, sagt Aleksandra Moroska-Bonkiewicz. Foto: Marie Baumgarten

 

 

Frau Moroska-Bonkiewicz, Sie haben analysiert, warum die AfD so stark werden konnte. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Grund?

Es gibt viele Gründe, aber der entscheidendste für den Erfolg bei den Bundestagswahlen im September war sicher die Migrationswelle und die Terroranschläge 2016. Das hat auch Nichtwähler mobilisiert. Hinzu kommt, dass die AfD nicht so stigmatisiert ist wie die NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), die ganz rechts außen steht.

 

 

 

Wie beurteilt man in Polen die AfD?

In den Medien gab es gleich nach den Wahlen eine Panikmache. Man schrieb von einem Rechtsruck und zeigte sich besorgt darüber, dass mit dem Wahlerfolg der AfD eine neonationalistische Partei in den Bundestag eingezogen sei.

 

 

 

Ist sie das?

Wenn man sie genau analysiert, stellt man fest, dass sie eine rechtsradikale populistische Partei ist. Genau wie die Partei für Freiheit in den Niederlanden und die FPÖ in Österreich oder die Front National in Frankreich.

 

 

 

Was macht die AfD populistisch und rechtsradikal?

Auch hier gibt es viele Gründe. Ein typisch rechtspopulistisches Element ist die Ausgrenzung von Eliten und derjenigen, die nicht zur Gruppe gehören. Die Ausgrenzung versuchen sie mit Ethnozentrismus zu begründen, einem Begriff aus der Wissenschaft, der die Selbstbezogenheit einer Gruppe beschreibt. Auch Geschichtsrevisionismus gehört zu ihrem Profil, genauso wie die Negation der Regierung in Deutschland. Für sie ist die Regierung eine Kaste von Politikern, die korrupt sind und keinerlei Kompetenzen mitbringen.

 

 

 

Nach den letzten Parlamentswahlen in Polen fiel in deutschen Medien auch das Stichwort Rechtsruck. Mit der PiS (Recht und Gerechtigkeit) ist eine nationalkonservative Regierung an der Macht, die in Deutschland unter anderem mit ihrer Flüchtlings-Politik aneckt. Im Polen zeichnet sich eine starke islamfeindliche Haltung ab – sieht man in dieser Frage in der AfD nicht einen Verbündeten?

Solche Stimmen kenne ich nicht. Es mag sie durchaus geben. Aber die Verunsicherung über den Einzug einer rechtsradikalen, populistischen Partei in den Bundestag überwiegt – vor allem bei denjenigen, die sich vielleicht noch an die Zeiten des Krieges erinnern. Aber ich beobachte auch, dass die anfängliche Panikmache in den polnischen Medien allmählich abklingt.

 

 

Die gesamt Analyse von Frau Moroska-Bonkiewicz zur Erstarkung der AfD kann man in der Ausgabe 23/2017 der Onlinezeitschrift „e-Politikon“ nachlesen. Der Artikel kann kostenfrei heruntergeladen werden: oapuw.pl/e-politikon-nr-232017/

 

 

Marie Baumgarten