Foto: Łukasz Biły

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Hunderten bedürftigen Menschen hilft jährlich die Deutsche Wohltätigkeitsgesellschaft und das schon seit 20 Jahren. Tausende haben in dieser Zeit von der Unterstützung der Gesellschaft profitiert. Am 4. November werden die Mitglieder der Organisation zu einer Jubiläumsfeier in Gogolin geladen, wo auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter ausgezeichnet werden.

 

Auf die Idee eine Organisation zu Gründen, die Hilfsbedürftigen Unterstützung bietet, ist Mitte der 90ger Jahre Helmut Paisdzior gekommen. Die offizielle gerichtliche Registrierung der Wohltätigkeitsgesellschaft erfolgte am 6. November 1996. Als Gründer galten damals die Vertreter der deutschen Gesellschaften der alten Woiwodschaften Oppeln, Kattowitz und Breslau.

 

Gelungener Start

 

“Als ich in den 90er Jahren Sejmabgeordneter war, habe ich in der Kommission für Sozialpolitik gearbeitet und hatte daher immer ein offenes Ohr für arme, kranke und behinderte Menschen. Ich wusste, dass es solche auch in der deutschen Minderheit gab. Oft verstehen die Leute nicht, dass ein gepflegter Garten oder ein vom Äußeren schönes Zuhause nicht gleichbedeutend mit Wohlstand sind. Manche leben sehr bescheiden, in armen Verhältnissen und versuchen alles, um es nach Außen nicht zu zeigen”, berichtet Helmut Paisdzior. So wuchs in dem Sejmabgeordneten die Idee eine Organisation zu gründen, die sich mit ausschließlich charitativen Aufgaben beschäftigen würde.

 

Die erste große Probe für die neue Gesellschaft kam schneller, als erwartet, mit der großen Flut 1997. “Ich war damals in Lohne (Niedersachsen) auf einem Schützenfest und als Ehrengast hatte ich die Möglichkeit an die Menschen zu appellieren, sie mögen für die Flutopfer spenden. Zu meinem Erstaunen konnte ich damals 20.000 Mark, sowie zahlreiche Sachspenden, unter anderem Möbel, Kleidung und Baumaterialien nach Polen mitbringen”, erinnert sich Paisdzior.

 

Der Start für die Wohltätigkeitsgesellschaft war also schon mal ein sehr guter. Und es ging auch weiter so. “Ich hatte viele gute Kontakte nach Deutschland, zum Roten Kreuz und der Caritas. Diese fruchteten zum Beispiel in Spenden von Medizingeräten”, sagt Paisdzior, Vorsitzender der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft bis 2003. Der ehemalige Vorsitzende hatte immer den Wunsch, dass die Gesellschaft auch Gelder von Sponsoren von außerhalb der Minderheit gewinnt. Das versucht die DW auch, der man seit 2004 als gemeinnützigen Organisation ein Prozent der Steuer überlassen kann.

 

Ein „Danke schön“

 

Heute ist die Hilfe der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft weiterhin nötig. Sie leistet finanzielle Unterstützung für Menschen, die unter Sozialminimum leben, organisiert Seniorenfreizeiten, bietet Rückerstattung der Kosten für Medikamente, Sachhilfe wie den Einkauf von medizinischen Geräten, leistet Hilfe in Lebensnotlagen. In den 20 Jahren haben über 11.000 Menschen an den Seniorenfreizeiten teilgenommen, 74 Personen in Notlagen konnte in dieser Zeit finanziell geholfen werden.

 

Weitere Tausende Menschen, die unter Sozialminimum leben, bekamen in den 20 Jahren Zuwendung. „In diesem Jahr haben wir noch mehr Anträge auf finanzielle Unterstützung bekommen, als in den Jahren zuvor. Wir werden also leider zu noch mehr Menschen nein sagen müssen, weil unsere Mittel begrenzt sind. In diesem Jahr haben wir aber zum Glück mehr Geld für soziale Hilfe, 50.000 Złoty mehr, als 2015. Dafür gibt es aber weniger Mittel für Seniorenfreizeiten”, erklärt Agata Baron, Geschäftsführerin.

 

Hilfbedürftige, die sich im Oppelner Büro der Gesellschaft melden, leitet Agata Baron an die Außenstellen in der Nähe des jeweiligen Wohnortes. „Ohne die Begutachtung der Ortstelle stellen wir keine Hilfsmittel zur Verfügung. Menschen, die vor Ort für uns arbeiten kennen sich schießlich am besten aus. Es sind übrigens alles ehrenamtliche Mitarbeiter, ohne diese unsere Arbeit gar nicht möglich wäre”, betont Agata Baron. Während der Jubiläumsfeier in Gogolin sollen einige der ehemaligen Aktivisten der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft in Schlesien mit Diplomen ausgezeichnet werden.

 

„Wir wollen ihnen durch diese bescheidenen Urkunde „Danke” sagen für all die Jahre, die sie sich aktiv engagiert haben”, sagt die Geschäftführerin. Die Auszeichnungen bekommen: Helmut Paisdzior, Reinhold Oremek, Alojzy Weber, Jan Lenort, Bernard Smolarek, Leon Kuczera, Anna Gorol, Zygfryd Baszczok, Leonard Peszel, Joachim Niemann, Ernst Szandar und Willibald Fabian – ehemalige Mitglieder des Vorstandes und der Revisionskommission der Deutschen Wohltätigkeitsgesellschaft.

 

Anna Durecka