Foto: DFK Tworkau

Er war ein wichtiger Mann, der eine wichtige Arbeit leistete – Pfarrer Augustin Weltzel zählt zu den wohl bekanntesten Schlesiern und doch ist er heute besonders der jungen Generation kein Begriff. Dies will nun der DFK Tworkau ändern und bereitet eine große Jubiläumsaktion vor. Dabei macht nicht nur die Kirche, sondern auch die polnische Post mit.

 

Für die Nachwelt, die sich mit Augustin Weltzel befasst, hat das Jahr 2017 eine besondere Bedeutung. In diesem Jahr wird nämlich der 200. Geburtstag des Geistlichen gefeiert, der bis heute als wichtigster Gelehrter im Rahmen der Geschichte Schlesiens gilt. Zur Welt kam Weltzel 1817 in Jeltsch-Laskowitz, dass heute in Niederschlesien liegt und damals in Preußen lag. Schon in seinen jungen Jahren fühlte er sich zum Priestertum berufen, besuchte ein katholisches Gymnasium und studierte danach Theologie in Breslau. Nach einem Aufenthalt in Pommern, wurde er Leiter der Pfarrei in Tworkau (Tworków/Kreis Ratibor), wo er 40 Jahre, bis zu seinem Tod blieb. Neben den gottesdienstlichen Aufgaben war er auch politisch tätig. 1863 wurde er zum Landtagsabgeordneten gewählt und zwischenzeitlich auch vom preußischen König mit verschiedenen Ehren überhäuft. Grund war vor allem seine   Geschichtsstudien. Durch gründliche Recherchen in den Archiven von Breslau, Oppeln oder Berlin entstanden verschiedene Monographien von oberschlesischen Städten. Schon zu Lebzeiten machte dies Weltzel als bedeutendsten Historiker der gesamten Region bekannt.

 

Seine Erfolge im Rahmen der Geschichtsstudien verschafften Weltzel schließlich derartigen Respekt, dass sogar die wichtigsten Gestalten seiner Zeit seinen Rat gesucht haben. Dazu zählte u.a. der damalige preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Otto von Bismarck. Für die Tworkauer war er aber nicht an erster Stelle Gelehrter oder Politiker, sondern immer ihr ehrenhafter Pfarrer. Bis heute erzählt man sich in Tworkauer Familien die Geschichte des Seelsorgers, der sogar in schwerer Krankheit noch seine Gläubigen betreut hat.

 

Vor allem dafür wollen jetzt seine deutschen Landsleute aus Tworkau dem Geistigen danken. Am 9. April eröffnete der DFK Tworkau zusammen mit der dortigen Pfarrei offiziell das Jubiläumsjahr von Augustin Weltzel. Ihr bekannter Landsmann ist den Tworkauern eine repräsentative Feier wert: Am Samstag den 10. Juli sollen gewählte Politiker, hohe Geistliche und andere Gäste aus den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien nach Tworkau kommen, wo ein großes Familienfest stattfinden wird. Weitere Projekte werden folgen und noch bis November realisiert werden, dann nämlich wird der 120. Todestag von Weltzel begangen.

 

Dem berühmten Historiker wird jedoch nicht nur in Tworkau gedacht, sondern auch im naheliegenden Ratibor, und dass mit einer noch nie dagewesenen Aktion. Dank des Engagements von Liebhabern der schlesischen Kultur aus Leverkusen und Verbindungen zur   polnischen Post, werden die Ratiborer Postbeamten vom 10. April bis zum 10. Mai eine spezielle Briefkennzeichnung verwenden, die über das Jubiläumsjahr von Augustin Weltzel informiert. Briefe mit dem Weltzel-Stempel gingen bereits aus einer kleinen Ratiborer Postfiliale in die Welt. Eine Woche später benutzte den Stempel schon das Hauptpostamt.

 

Außer der Stempelaktion haben die Tworkauer auch ein zweisprachiges Faltblatt über ihren bekannten Historiker herausgegeben.

 

Łukasz Biły