Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, August 15, 2022

„Junge Deutsche vereinen“

Mit Paulina Klosa aus Proskau, Mitglied im Jugendrat der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, sprach Andrea Polański über ihre deutsche Identität, die laufende Volkszählung 2021 und darüber, wie sich der Jugendrat in diesem Bereich engagiert.

 

Hattest Du schon seit der Kindheit Kontakt mit der Deutschen Minderheit?

Ja, das hatte ich. Meine Eltern sind in der deutschen Minderheit und haben mich dementsprechend mithineingezogen, aber auch meine Großeltern spielten dabei eine wichtige Rolle, da ich mit ihnen immer auf Deutsch redete. Seit der Kindheit bin ich schon in der Minderheit aktiv. Ich bin vor allem durch meine Leidenschaft zur Musik dorthin gekommen. Ich singe in deutscher Sprache und nahm an vielen verschiedenen Wettbewerben teil, die hier bei uns organisiert wurden, ob jetzt Superstar oder „Jugend trägt Gedichte vor“.

 

Wie entwickelte sich bei Dir das Bewusstsein, dass Du eine Deutsche bist?

Wie schon erwähnt, begleitete mich die deutsche Sprache mein Leben lang, da ich zweisprachig aufgewachsen bin, also mit Oma und Opa sprach ich Deutsch und mit meinen Eltern Schlesisch. Ich hatte immer Kontakt mit deutschen Gedichten, Liedern oder Medien und so lernte ich Deutschland, beziehungsweise die deutsche Kultur, viel besser kennen als die polnische. Auf diese Weise wuchs bei mir das Bewusstsein meiner Identität.

 

Paulina Klosa
Foto: privat

Auf welche Bereiche Deines Lebens hat deine deutsche Nationalität Einfluss? Gibt es überhaupt Situationen, in denen Du merkst, irgendwas ist anders, da Du der Minderheit angehörst?

Ehrlich gesagt, war es bei mir nie der Fall, weil die deutsche Minderheit immer ein fester Bestandteil meiner Umwelt war. In meiner Schule lernte ich immer Deutsch als Minderheitensprache, später besuchte ich eine zweisprachige Klasse im Lyzeum und jetzt arbeite ich im Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit. Auch musikalisch spielt das Deutsche eine wichtige Rolle, wie ich schon erwähnt habe. Mit unserer Band „Close2Jazz“ stehen uns dank der Minderheit viele neue Möglichkeiten offen. Ich persönlich hatte nie mit negativen Kommentaren, Ausgrenzung oder Hass in Bezug auf meine Angehörigkeit zur Minderheit zu kämpfen, aber auf einem Sommercamp habe ich von den anderen Jugendlichen zum ersten Mal gehört, dass es nicht überall so selbstverständlich ist, Deutsche zu sein. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich so etwas nicht erleben musste.

Die deutsche Sprache spielt für die Deutschen in Polen eine große Rolle, denn sie ist ein Identitätsträger für viele Menschen aus der Minderheit. Trifft das auch bei Dir zu?

Selbstverständlich. Die Sprache hat mich schon immer begleitet und wird es auch hoffentlich weiterhin tun. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich die deutsche Sprache beherrsche und sie auch täglich benutzen kann, ob in der Arbeit oder auch einfach so mit meinen Mitmenschen. Ich arbeite seit diesem Jahr im Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit an der Kampagne „Bilingua – einfach mit Deutsch“, also sieht man auch hier schon am Namen, dass ich mit der Sprache ständig zu tun habe.

 

Seit 2020 bist Du im Jugendrat der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien aktiv. Wie bist Du auf den Jugendrat aufmerksam geworden?

Ich kenne die aktuelle Vorsitzende des Jugendrates, Paulina Rasch, sehr gut und sie war es, die mich auf diese Jugendstruktur in der Deutschen Minderheit aufmerksam gemacht hat. Sie war zu dieser Zeit schon länger dabei und hat mir das ganze Konzept vorgestellt, wie ihre Tätigkeit aussieht und was der Jugendrat sonst noch macht. Ich fand es interessant, denn ich bin schon lange in der Deutschen Minderheit, war aber bislang in keiner Jugendorganisation mit anderen jungen Deutschen tätig. So habe ich mich nach Paulinas Überzeugungskraft überreden lassen und bin Mitglied im Jugendrat geworden.

 

Was bewegt Dich dazu, Dich in den Strukturen der Deutschen Minderheit zu engagieren? Hast Du Dir auch Ziele gesetzt, die Du mit Deiner Tätigkeit erreichen möchtest?

Meine Familie gehört zur deutschen Minderheit in Proskau, wo ich leider nicht viele Gleichaltrige aus der Minderheitengemeinschaft um mich herum habe. Ich möchte, dass sich mehr junge Menschen aus meiner Gemeinde für die Minderheit interessieren, weil sie ein bedeutender Bestandteil unserer lokalen Gemeinschaft ist. Ich habe mir ein Ziel gesetzt, das ich erreichen möchte, nämlich junge Menschen zu vereinen und ihnen das Deutschsein auf eine attraktive Art und Weise näher zu bringen. Das HDPZ, in dem ich arbeite, hat dieses Jahr das Projekt „Jugendpunkt“ gestartet. Im Rahmen dieses Projekts werden in ganz Polen Klubs für Jugendliche geschaffen, und ich bin die Jugendkulturanimateurin in meiner Stadt. Ich hoffe, dass ich durch verschiedene interessante und aktive Workshops die jungen Menschen für die Minderheit und die deutsche Sprache begeistern kann.

 

Wie sieht Eure Aktivität im Jugendrat aus, auch in Bezug auf die Volkszählung 2021?

Unsere Arbeit besteht größtenteils darin, die Stimme der Jugend im Vorstand der SKGD zu sein. Wir haben schon kleinere Initiativen organisiert und arbeiten auch mit dem Bund der Jugend der Deutschen Minderheit zusammen. In Bezug auf die Volkszählung haben wir uns entschieden, unsere Mittglieder vorzustellen, aber aus der deutschen Perspektive. Jeder und jede schreibt in unseren Posts auf Facebook und Instagram darüber, welche Rolle das Deutschsein im eigenen Leben spielt. Damit ermutigen wir andere Jugendliche, bei der Volkszählung die deutsche Nationalität anzukreuzen.

 

Warum ist es Deiner Meinung nach wichtig, bei der diesjährigen Volkszählung zu seiner Identität zu stehen?

Die diesjährige Volkszählung ist eine gute Gelegenheit, um zu sehen, dass wir nicht allein sind und um zu erfahren, wie viele Deutsche wir in Polen sind. Es ist wichtig, dass wir uns selbst treu bleiben und offen dazu stehen, Deutsche zu sein. Die eigene Identität ist nichts, was Scham erwecken sollte, ganz im Gegenteil, wir sollten stolz darauf sein, wer wir sind.

 

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