Die Fußballweltmeisterschaft ist nun zu Ende. Sowohl die polnische, als auch die deutsche Nationalmannschaft haben den Ausstieg aus ihrer Gruppe nicht geschafft. Doch das ist für die jungen Fußballer der Miro Deutschen Fußballschule kein Hindernis an ihren sportlichen Fertigkeiten beim ersten Fußballcamp der Fußballschule verstärkt zu arbeiten.

 

Geübt wird Schusstraining, Passspiele, Koordination, Reflex und vieles mehr
Foto: M. Leibig

 

Um den jungen Sportlern aus Oberschlesien eine gute sportliche Grundlage für die weitere sportliche Betätigung zu geben, schlossen die Organisationen der deutschen Minderheit: die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD), der Verband deutscher Gesellschaften (VdG), der Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) sowie das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und das Goethe-Institut Krakau (GI) ihre Kräfte zusammen und organisierten ein Fußballcamp. Es wurde vom 2. bis zum 13. Juli in Chronstau, in der Sportanlage des 1. FC Chronstau organisiert. Dominik Duda, Mitveranstalter des Camps, freut sich, dass es geklappt hat: „Das Fußballcamp ist eine Ferienfreizeit für die Kinder der Miro Deutschen Fußballschule. Wir haben uns überlegt, dass wir dieses Projekt starten, um den Fußballsport mit der Sprache, der regionalen Kultur und der Geschichte verbinden zu können, so dass die Kinder innerhalb dieser einen Woche, bzw. der zwei Wochen, in denen das Projekt läuft, von all diesen Elementen etwas mitbekommen und eine schöne Ferienfreizeit haben“, sagt Duda.

 

 

 

 

Gut investierte Zeit

 

In der ersten Woche des Fußballcamps waren die Jahrgänge 2004, 05 und 06 dabei, in der zweiten Woche die jüngeren Fußballer, also die Jahrgänge 2007, 08 und 09. Für die jungen Kicker drehte sich den ganzen Tag alles rund um Fußball, mit viel Deutsch. Das Programm war vielfältig und beinhaltete jeden Tag zwei Sporteinheiten. Geübt wird Schusstraining, Passspiele, Koordination, Reflex und vieles mehr. „Ich denke, eine Woche ist für die Spieler ziemlich lang. Die Kinder haben hier zwei Trainingseinheiten pro Tag. Das ist gut investierte Zeit, denn jedes Kind verbessert hier intensiv seine Spieltechnik“, beurteilt Piotr Michoń, Trainer der jüngeren Gruppe beim Sportcamp. Er freut sich, so ein gutes Spielfeld zu Verfügung zu haben: „Das Spielfeld hier ist in einem super Zustand, alle Trainingseinheiten, die ich anhand der Trainingsideen des Deutschen Fußballbundes für das Camp vorbereitet habe, können wir hier problemlos durchführen“, sagt der Trainer, der seit der Gründung der Miro Deutschen Fußballschule dabei ist.

 

Foto: Dominik Duda

 

 

Fußball auf Deutsch

 

Täglich gibt es auch zwei Deutscheinheiten. Einerseits geht es hier darum die Sprache zum Thema Fußball, wie die Positionen auf dem Fußballfeld, erneut zu wiederholen. Schließlich wollen die jungen Fußballer sich offene Tore sowohl für die polnische, als auch für deutsche Nationalmannschaft sichern und verstanden werden. Andererseits kommen auch Geschichte und Kultur Schlesiens in den Spracheinheiten zur Geltung. Jan Veldscholten, Stipendiat des Goethe- Instituts Krakau unterstützt den Sprachunterricht: „Wenn es um Fußball geht, sind die Sprachkenntnisse schon sehr gut. Das liegt auch daran, dass die Kinder während des Trainings immer auf die deutsche Sprache zurückgreifen und auch in ihrer Freizeit mit dem Fußball zu tun haben und dadurch die Wörter alle schon sehr gut kennen“, beurteilt Jan.

 

Im Sommer die Schulbank drücken, das ist manchmal nicht so schlimm.
Foto: D. Duda

 

Spiele mit Sprache

 

Für Sprache und Geschichte der Region war bei dem Sportcamp Barbara Szyndler verantwortlich: „Ich habe darauf geachtet, dass wir ganz viele Spiele mit der Sprache machen. Was den Wissenszustand der Kinder zur Geschichte Schlesiens angeht, war ich verblüfft, dass die Kinder so viel wussten über die deutsche Geschichte der Region. Ich habe mich auch auf die Geschichte von Chronstau konzentriert, wir haben einen Spaziergang durch den Ort gemacht, und haben uns ein paar spannende Sachen angesehen“, erklärt die Deutschlehrerin. So erfuhren die Kinder, dass es in Chronstau eine Kapelle gibt, die der Napoleonischen Armee gewidmet ist. Die Informationen wurden nicht nur an die Kinder nach dem Sprichwort: „Mit dem einem Ohr rein, mit dem andrem raus“ weitergegeben, sondern sie sind hängen geblieben. „Ich habe dann noch ein Quiz zu dem gemacht, was wir beim Spaziergang gesehen und erfahren haben, und die Kinder haben die Fragen beantwortet“, freut sich die Lehrerin.

 

Auch in die Geheimnisse der Fußballstrategie wurden die jungen Spieler eingeführt Foto: D. Duda

 

 

 

 

Endlich Fußballspielen!

 

Nach einer kurzen Erfrischung geht es gleich weiter, beim Fußballcamp wird keine Zeit vergeudet. Zwei Trainer achten auf die Gruppe, sodass auf jedes Kind einzeln eingegangen werden kann. Beim Fußballcamp will man natürlich am liebsten Fußballspielen. Nun ist es endlich so weit: Nach der Sprachreinheit und dem intensiven technischen Training, geht es für die Teilnehmer „ans Eingemachte“. Marcin Staś von der Miro Deutschen Fußballschule Malapane las das Plakat und zögerte nicht lange mit der Anmeldung: „Wir üben hier viele Fußballtechniken und lernen auch Deutsch. Nach dem Mittagessen haben wir 30 Minuten Pause, da spielen wir Fußball, dann geht das Training weiter. Es gefällt mir hier“, sagt der 9-Jährige. „Am meisten gefallen mir natürlich die Trainings. Aber der Deutschunterricht ist auch spannend“, beurteilt Mateusz Socha aus Kroschnitz. Die Kicker der Miro Deutschen Fußballschule wissen schon, was bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft in die falsche Richtung gegangen ist: „Beim ersten Spiel gegen Mexiko haben sie gut gespielt, aber zum Schluss fehlte es an der Verteidigung, genauso wie mit Schweden“, weiß Marcin Staś. Krzysztof Skóra aus Groß Strehlitz fasst zusammen: „Schade, dass sie nicht weitergekommen sind, genau so wie die polnische Mannschaft“

 

 

Foto: Dominik Duda

 

 

Die normalen Trainingseinheiten in jeder der 13. Miro Deutschen Fußballschulen beginnen erst Ende August. Die jungen Fußballer haben also genug Zeit sich von der großen Portion Sport beim Fußballcamp zu erholen.

 

Manuela Leibig