Deutsche und Polen sind sich dessen bewusst, dass der Zweite Weltkrieg weiterhin einen Einfluss auf die gemeinsamen Beziehungen hat, obwohl die Deutschen diesen Einfluss seltener wahrnehmen. Beide Gesellschaften unterscheiden sich jedoch immens in der Bewertung der Außenpolitik der Vereinigten Staaten und ihres Präsidenten, wie aus der neusten Untersuchung zur öffentlichen Meinung in der Serie „Deutsch-Polnisches Barometer“ des Instituts für öffentliche Angelegenheiten (ISP) der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit hervorgeht.

Foto: Die deutsch-polnische Grenze ist längst nur noch ein Strich auf der politischen Landkarte Europas. Foto: Dirk Vorderstraße / wikimedia commons

 

 

30 Jahre nach den ersten teilweise freien Wahlen zum polnischen Sejm sind die Polen geteilter Meinung darüber, ob der Beitrag ihres Landes zum Sturz des Kommunismus und zum demokratischen Wandel in Mittel- und Osteuropa von der internationalen Öffentlichkeit ausreichend anerkannt worden ist. Die größte Gruppe der Befragten (41%) vertritt die Ansicht, dass dies nicht der Fall ist, während 35 Prozent eine angemessene Anerkennung wahrnehmen. „Die Deutschen ihrerseits tun sich schwer mit der Einschätzung des Beitrages Polens zum Sturz des Kommunismus und zum demokratischen Wandel in Mittel- und Osteuropa. Die größte Gruppe der deutschen Befragen (42%) erkennt einen polnischen Beitrag, doch ein gutes Drittel bewertet den Beitrag der Polen weder als wichtig noch als unwichtig, und 10 Prozent der Befragten können einen Beitrag sogar nur wenig bis gar nicht erkennen“, beschreibt Dr. Agnieszka Łada vom Institut für öffentliche Angelegenheiten, Autorin der Studie, die Ergebnisse. „Das zeigt, wie sehr sich die Wahrnehmung der neusten Geschichte in beiden Länder unterscheidet. Es zeigt auch, dass die Vermittlung der gemeinsamen Geschichte notwendig ist.“

 

 

Zweiter Weltkrieg

Das diesjährige Barometer weist ebenfalls darauf hin, dass 80 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sowohl die Deutschen als auch die Polen nach wie vor dessen Einfluss auf die gegenseitigen Beziehungen wahrnehmen, doch die Zahl jener Befragten, die diesen Einfluss als stark bezeichnen, geht zurück. In Deutschland ist deren Anteil seit dem Jahr 2008 bis heute von 34 auf 22 Prozent gesunken, in Polen von 43 auf 32 Prozent. Hingegen sehen 19 Prozent der Deutschen sowie 14 Prozent der Polen gar keinen Einfluss der Kriegsgeschehnisse auf die gegenwärtigen Beziehungen. Agnieszka Łada macht darauf aufmerksam, dass sich allerdings die Meinungen dahingehend unterscheiden, ob das Leid und die Opfer, die Polen im Laufe seiner Geschichte auferlegt wurden, von der internationalen Öffentlichkeit nicht ausreichend anerkannt worden sind. Fast die Hälfte der polnischen Befragten (46%) denkt, dass dies nicht geschehen sei, während auf deutscher Seite im Verhältnis weniger als halb so viele Befragte (21%) dieser Meinung sind. Eine deutliche Mehrheit der Deutschen (62%) findet stattdessen, dass dieses Leid ausreichend Anerkennung gefunden hat.

Zwanzig Jahre nach Polens NATO-Beitritt und fünfzehn Jahre nach dem Beitritt zur Europäischen Union bewerten die Polen diese Ereignisse für die politische und wirtschaftliche Stabilität in Europa sehr positiv. Ebenfalls hat die Mehrheit der Deutschen zu diesem Thema eine positive Meinung.

 

 

Weltpolitik

„Angesichts der Herausforderungen, vor denen Europa, also auch die deutsch-polnische Zusammenarbeit, steht, haben wir dieses Jahr auch nach polnischen und deutschen Einschätzungen des Beitrags der Schlüsselakteure der Weltordnung zu ihrer Stabilisierung gefragt”, sagt die Autorin der Untersuchung. „Die Ergebnisse zeigen, dass sie im Falle der Europäischen Union, denen Russlands und Chinas ähnlich sind, bei den Vereinigten Staaten aber sind sie grundverschieden.” Vergleichbar gestaltet sich das Verhältnis zu den Weltführern: Die Polen bewerten Donald Trump sehr viel besser (47% positiv) als die Deutschen (15%). Die Deutschen ihrerseits bewerten Emmanuel Macron am besten(68%), gefolgt von ihrer eigenen Regierungschefin (61%). Die Polen nehmen Angela Merkel häufiger positiv wahr (48%), nicht so gut aber den französischen Staatspräsidenten (39%). Wladimir Putin bekommt eine positive Bewertung bei 18% der Polen und 29% der Deutschen.
Die Untersuchung zeigt, dass Polen und Deutsche den aktuellen Stand der deutsch-polnischen Beziehungen ähnlich einschätzen: 59% der Polen und 60% der Deutschen sehen die Beziehungen als gut und nur 23% der Polen und 27% der Deutschen als eher schlecht.

 

SDPZ