Kinder kamen beim Familientreffen auch auf ihre Kosten.
Foto: Dominika Bassek

Eltern aus Oberschlesien trafen sich am vergangenen Sonntag im JuraPark in Krascheow (Krasiejów), um über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Probleme bei der zweisprachigen Erziehung ihrer Kinder zu sprechen. Dabei erfuhren sie auch, wie Zweisprachigkeit bei den Sorben in der Lausitz gefördert wird.

 

Trotz Regen und niedrigen Temperaturen kamen mehrere zig Familien aus ganz Oberschlesien zum bereits traditionellen Treffen zweisprachiger Familien, das seit fünf Jahren vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit und dem Verband deutscher Gesellschaften organisiert wird. Und während für die Kinder ein Animatiosprogramm vom Goethe-Institut aus Krakau vorbereitet wurde, trafen sich die Eltern zu einer Podiumsdiskussion, bei der aus zwei unterschiedlichen Perspektiven die Bedeutung der Zweisprachigkeit gezeigt wurde.

 

Deutsch-sorbische Zweisprachigkeit

Zum einen kam nach Krascheow Dr. Jana Schulz vom Sorbischen Institut in Bautzen und sie erzählte nicht nur aus der eigenen deutsch-sorbischen Familie, wie Zweisprachigkeit funktionieren kann, sondern sie stellte auch das Kindergartenprogramm Witaj vor. „Dabei geht es darum, dass die Kinder im Kindergarten in einem sorbischsprachigen Umfeld sind. Der Spracherwerb geht also nicht nur über den Kontakt mit den Erzieherinnen, sondern auch dadurch, dass sie die sorbische Sprache im täglichen Leben hören“, erklärte Dr. Jana Schulz und fügte hinzu, dass man nicht denken dürfe, so eine Herangehensweise trüge sofort Früchte und die Kinder würden gleich anfangen sorbisch zu sprechen. „Es dauert immer einige Jahre, bevor die Kinder selbst sorbisch sprechen, deshalb rate ich auch den Eltern in Oberschlesien bei der zweisprachigen Erziehung nicht sofort Ergebnisse zu erwarten, sondern trotz Schwierigkeiten weiterhin selbst deutsch zu sprechen. Die Kinder werden dann auch damit anfangen“, sagt Dr. Schulz, die dafür in der Diskussion von einem sanften Druck gesprochen hatte, dem man die Kinder aussetzt.

Einen größeren Druck übte dagegen der Dolmetscher und Übersetzer Piotr Zwak auf seine Kinder aus. Im Podium erzählte er, wie er selbst zweisprachig wurde und diese Sprachkompetenzen seinen Kindern weitergeben wollte. „Wir haben z.B. jede Möglichkeit genutzt unsere Kinder in ein deutschsprachiges Umfeld zu bringen, u.a. durch Urlaubsreisen nach Österreich. Aber auch so kleine Dinge, wie deutsche Hörspielkassetten liefen bei uns im Auto fast ständig“, sagte Piotr Żwak.

Während die Kinder spielten, haben die Eltern über die zweisprachige Erziehung diskutiert.
Foto: Dominika Bassek

Im JuraPark in Krascheow trafen sich die zweisprachigen Familien aus Oberschlesien.
Foto: Dominika Bassek

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Warum Zweisprachigkeit?

So unterschiedlich beide Referenten an die Zweisprachigkeit herangehen, so unterschiedlich sind auch ihre Beweggründe diesen Weg für die Kinder zu wählen. Für Jana Schulz, die selbst Sorbin ist, ist es ein Teil der Identitätsbewahrung als Minderheit. Sowohl bei den Obersorben in Sachsen wie bei den Niedersorben in Brandenburg gehe die Zahl der Sprecher dieser slawischen Sprachen immer weiter zurück. Um sie also für die Zukunft zu bewahren, sei es wichtig, Kindern diese Sprachen näher zu bringen, sagt Jana Schulz.

Für Piotr Żwak dagegen gab es pragmatische Gründe seine Deutschkenntnisse auch den Kindern weiterzugeben. „Ich gehöre ja nicht zur deutschen Minderheit, aber meine Vorfahren gehörten auf der einen Seite zur deutschen Minderheit im Vorkriegskattowitz und auf der anderen zur polnischen Minderheit im Olsagebiet (Tschechien – Anm.d.Red) und so war die deutsche Sprache, die Mehrsprachigkeit zu Hause gegeben. Und wenn es um unsere Kinder geht, sollten sie es einfach besser und einfacher im Leben haben“, sagte Piotr Zwak und meint damit nicht nur das deutschsprachige Ausland als Zukunft der Kinder, sondern auch Schlesien und Polen als ganzes, wo gerade jetzt deutschsprachige Mitarbeiter händeringend gesucht würden.

Rudolf Urban