Durch Antikomplex werden zum Beispiel zahlreiche Ausstellungen veranstaltet.

So verbindet man Tradition und Moderne: Schon seit Jahren engagieren sich energische Studenten aus Tschechien im Bereich Geschichtsaufklärung. Dabei spielen vor allem zwei Dinge eine entscheidende Rolle: Die deutsche Minderheit im Land sowie digitale Medien.

 

Obwohl der Verein Antikomplex schon vor etwa 19 Jahren gegründet wurde und sich zunehmend mit dem Thema Vertreibungen befasst, ist seine Tätigkeit keineswegs mit dem Stereotyp eines Vertriebenenvereins in Verbindung zu bringen. Kern der Arbeit der Organisation ist eine moderne und attraktive Internetseite, die einen Überblicke über alle ihre Projekte verschafft. Und diese bietet Antikomplex reichlich an. Von Seminaren über Bücher und Audiobooks bis hin zur politischen Bildung gibt es vom Verein viele Inhalte, auf die jeder, der an der Geschichte der Deutschen in Tschechien interessiert ist, aufmerksam werden sollte. Im Auftrag von Antikomplex wurden sogar schon Filme gedreht.

 

Mit seiner Tätigkeit kommt der Verein vor allem der deutschen Minderheit zugute, da er hilft das Wissen rund um die Tragödie der tschechischen Sudetendeutschen auf jugendliche, sozusagen „bunte“ Art und Wiese zu vermitteln. Anfangs gab es unter den Gründern noch Unstimmigkeiten, wo der Schwerpunkt des Projektes liegen soll. Klar war man sich in einem: Man wollte Toleranz und Achtung fördern, indem man über Geschichte aufklärt. Nachdem man erste Projekte z. B. den Roma in Tschechien widmete, hat man sich dann klar auf das Schicksal der Sudetendeutschen konzentriert. Einen gemeinnützigen Verein, der sich so stark mit dem Thema Vertreibungen befasst, gibt es außer dem Bund der Vertriebenen wohl nirgends in Europa.

 

Sowohl die Strategie wie auch der Name von Antikomplex ist kein Zufall: „Wir glauben, dass eine nicht aufgearbeitete Vergangenheit nicht nur bei dem Einzelnen, sondern auch in der Gesellschaft so etwas wie einen Komplex hervorruft“, meinen die Vertreter. Nur ein Beispiel für diese These sei das Jahr 2013, als in der Gesellschaft die Information die Runde machte, dass einer der damaligen Präsidentschaftskandidaten kein Tscheche sondern ein Sudetendeutscher sei. Dies löste nach Meinung der Gründer von Antikomplex Empörung bei vielen Menschen aus: „Sehr viele fühlten sich von solchen Ressentiments angesprochen“, sagten die Mitglieder des Vereins. Diesen Ressentiments wolle man entgegentreten durch „eine kritische Reflexion“ über die eigne Geschichte vor allem während und nach dem zweiten Weltkrieg.

 

Finanziert wird Antikomplex vor allem aus Fördergeldern zum Beispiel der Europäischen Union.

 

Łukasz Biły