Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, January 27, 2023

Neun Mal um die Erdkugel

Bald sind es dreißig Jahre, dass Werner Koepke aus dem Ort Leiferde zwischen Braunschweig und Hannover regelmäßig mit Hilfsgütern nach Ortelsburg (Szczytno) in der Woiwodschaft Ermland-Masuren fährt und den Menschen Gutes tut. Am 14. Januar war es bereits die 155. Tour des Niedersachsen – auf der er wie stets beim örtlichen Verein der deutschen Minderheit „Heimat“ vorbeischaute.

Werner Koepke ist ein gern gesehener Gast im Landkreis Ortelsburg, aber auch in Allenstein (Olsztyn). Zwanzig Jahre lang hat er als Privatmann – mal mit einem Transporter, mal mit einem PKW mit Anhänger – die Straßen zwischen Leiferde und dem heutigen Szczytno zurückgelegt, die letzten zehn Jahre dann mit dem Verein „Masurenhilfe“, den er gegründet hat, als die Gesundheit nicht mehr ganz mitspielte. Seitdem helfen ihm inzwischen 43 Mitglieder beim Sammeln, Beladen, Fahren und Ausliefern der Sachspenden. „Bis vor zehn Jahren habe ich in diese Fahrten mehrere Zehntausend Euro gesteckt. Als ich zuletzt mal nachgerechnet habe, kam ich mit den Strecken hierher – einmalig 815 Kilometer – und den Fahrten in Deutschland auf über 350.000 Kilometer, habe also schon mehr als neun Mal die Länge des Äquators zurückgelegt“, zählt Werner Koepke auf.

Positiver Zufall

Dabei war der Ort seiner karitativen Aktivität anfangs ein Zufall, denn Koepkes Familie stammt eigentlich aus dem Dorf Tannenberg (Stębark). „Als ich auf der ersten Fahrt dort vorbeischaute, waren die Menschen etwas misstrauisch. Dann hat mein Freund und Dolmetscher Ryszard Łopatka erklärt, wer ich bin, und ein alter Nachbar erinnerte sich an meinen Vater und die Brüder, kannte sogar noch die Vornamen“, erzählt Werner Koepke. „Doch nach Ortelsburg kam ich dank Frau Dr. Kühne, die von dort stammt. Sie musste 1945 fliehen, wohnte bei uns in Leiferde und war beim Roten Kreuz aktiv. Von ihr kam der Vorschlag, den Menschen in ihrer Heimat zu helfen“, fasst er die Anfänge seines Engagements zusammen.

Werner Koepke (Mitte) mit Freund und Dolmetscher Ryszard Łopatka (links) und Kollege Heinrich Hennigs
Foto: Uwe Hahnkamp

Und so machte er sich im November 1993 mit seinen damaligen Kollegen zum ersten Mal auf den langen Weg. Doch schon bevor die Fahrt losging, tauschte er den Wagen mit Anhänger gegen einen 7,5-Tonner. Die Spendenbereitschaft überstieg damals das Fassungsvermögen der ursprünglich geplanten Fahrzeuge, und im Grunde ist es bis heute so geblieben, dass bei keiner Tour alles mitgenommen werden kann. „Dank der Presseberichte und der Erzählungen wissen die Menschen, dass die Sachspenden über mich dort landen, wo sie notwendig sind. Unsere „Masurengarage“, eine Doppelgarage, die uns als Lager dient, ist stets gut gefüllt“, freut sich Werner Koepke über die Großherzigkeit der Menschen in seiner Region.

Sponsoren und Ehrungen

Dank der Kontakte zu verschiedenen Textil- und Lebensmittelfirmen sowie dem Einzelhandel, der Unterstützung durch die Firma Volkswagen, die den Transporter stellt, und Menschen wie Heinrich Hennigs vom Verein „Masurenhilfe“, der ihn auf der aktuellen Tour begleitete, konnte und kann Werner Koepke vielen Menschen helfen. Ob mit medizinischem Gerät für die Ortelsburger Sozialstation „Lazarus“ oder für Krankenhäuser, mit Spielzeug, Schulmaterialien und Süßigkeiten in den Kinderheimen von Ortelsburg und Passenheim (Pasym), mit Heimorgeln für Schulen: Im Laufe der Zeit ist sehr vieles zusammengekommen. Zuletzt war Werner Koepke sogar sechs Mal in Litauen in der Partnerregion des Kreises Ortelsburg mit Hilfsgütern unterwegs.

Und die Hilfe wird honoriert. Das Polnische Rote Kreuz zeichnete ihn mit seinen Medaillen aus; er ist Ehrenbürger von Ortelsburg und Träger des polnischen goldenen Verdienstkreuzes. „Zu der Verleihung haben sie mich sogar mit Polizeieskorte von Ortelsburg nach Allenstein begleitet“, erinnert sich Werner Koepke schmunzelnd. „Das alles ist schön, aber bei Weitem nicht das Wichtigste“, sagt er gleich darauf. „Wichtig ist es mir, Menschen zu helfen.“ Deren Lage und Schicksale gehen ihm bis heute nahe. Als er erzählt, wie sie vor ein paar Tagen am Vereinshaus am Ortelsburger Waldstadion waren, wo drei Dutzend ukrainische Flüchtlinge untergekommen sind, und von der Freude eines Vierjährigen, dem er ein Plüschtier schenken konnte, versagt ihm für mehrere Momente die Stimme.

Die Hilfe für die Ortelsburger bleibt also wichtig. Auch trotz aller gesundheitlicher Probleme wird Werner Koepke weiterhin vier bis fünf Mal im Jahr vorbeikommen – und nie mit einem leeren Auto. Die nächste Tour ist nach Ostern anvisiert, mit Kartons voller Schokoladenhasen und Hilfsgütern jeder Art. Das ist dann Tour Nummer 156 und weitere 1.600 Kilometer auf der zehnten Runde um den Äquator.

Uwe Hahnkamp

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