Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, January 27, 2023

Das Ende einer 170-jährigen Geschichte

Bergwerk Anna bei Loslau
Bergwerk Anna bei Loslau

Das Steinkohlenbergwerk „Anna” in Pschow (Pszów) in der Woiwodschaft Schlesien (Kreis Loslau), das vom Bergbaukonzern Kompania Węglowa unentgeltlich an die Gesellschaft zur Umstrukturierung von Bergwerken übergeben wurde, ist in der Schließung begriffen. Mindestens 1.300 Menschen verlieren dadurch ihren Job.

 

Mit der Transaktion wird Kompania Węglowa nicht nur einen kostspieligen Ballast los, sondern verringert auch das Personal um die 1.300 Beschäftigten, die nun von der Gesellschaft zur Umstrukturierung von Bergwerken (SRK) übernommen worden sind. Es handelt sich vorwiegend um Untertagearbeiter und Verwaltungsangestellte verschiedener Bergwerke, die freiwillig gegangen sind, weil dort seit vier Jahren keine Kohle mehr gefördert wird. Die SRK hat dabei auch vertragsgemäß knapp 76 Hektar an staatseigenen Grundstücken übernommen. Hierzu gehören Gebäude und Einrichtungen im Gelände des Bergewerks, Abbauräume, Untertagebauten, Maschinen, Anlagen und IT-Geräte.

 

Zusammenarbeit bis 2017

 

Parallel hat die Gesellschaft zur Umstrukturierung von Bergwerken einen Kooperationsvertrag mit Kompania Węglowa mit Gültigkeit bis Mitte 2017 geschlossen. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich aus den Plänen der Kompania Węglowa, die einen Abbaustoß an der Fördergebietsgrenze von ausgegliederten Bergwerken betreiben will, erläuterte Witold Jajszczok, Pressesprecher der Gesellschaft zur Umstrukturierung von Bergwerken. Aus demselben Grund werden die Förderschächte in Pschow nicht vor Mitte nächsten Jahres zugeschüttet. Davon war übrigens auch ein Plan der Kompania Węglowa von vor einigen Jahren ausgegangen, als aufgrund der Erschöpfung der Flöze beschlossen wurde, die Steinkohlengrube „Anna” zu schließen. Der weitere Stilllegungsprozess findet nun unter der Aufsicht des Bergamtes und des Energieministeriums statt.

 

Kohle wird dort nicht mehr gefördert

 

Die Steinkohlengrube „Anna” ist nun schon seit 2012 von der Schließung bedroht, nachdem der letzte Waggon mit Kohle an die Oberfläche fuhr. Inzwischen sind nur noch eine Handvoll Menschen in dem Betrieb tätig. Diese fahren teilweise auch in den Untertagebereich hinunter, doch es geht dabei nur noch darum, die Grube bis zu ihrer vollständigen Stilllegung abzusichern. Damit beendet das Bergwerk nach mehr als 170 Jahren seine Tätigkeit, denn die Kohle in seinen Lagerstätten ist nun zu Ende. Seine Schließung wurde übrigens schon vor langer Zeit ins Auge gefasst. So wurde „Anna” z.B. 2004 mit dem Bergwerk „Rydułtowy” zusammengeschlossen (vor einigen Wochen wurde nun die endgültige Abkopplung der Anna-Grube beschlossen) und niemand verlor damals seinen Arbeitsplatz, denn die meisten Mitarbeiter wurden in das benachbarte Rydultau (Rydułtowy) und die übrigen an andere Bergwerke der Kompania Węglowa umgesetzt.

 

Abschirmpakete gesichert

 

Bis zur endgültigen Schließung der Anna-Grube übernimmt die SRK auch die Rechte und Pflichten aus den Verträgen des Kompania Węglowa – aber nur denjenigen, die notwendig sind, um die Schließung des Bergwerks voranzutreiben und den Verbindlichkeiten aus Bergschäden durch die Anna-Grube nachzukommen. Im Übrigen sind die Rochaden bei der Verwaltung von Bergwerken auf den aktuellen Sanierungsplan für den polnischen Bergbau zurückzuführen. So wird vermutlich bereits ab dem kommenden Monat die Polnische Bergbaugruppe (PGG) die noch rentablen Betriebe verwalten, während die zu schließenden und verlustreichsten Bergwerke weiterhin von der Gesellschaft zur Umstrukturierung von Bergwerken übernommen werden. Damit können den Beschäftigten Abfindungen und den Betriebsstätten eine staatliche Unterstützung gewährleistet werden.

 

Bergwerke bauen Personal ab

 

Allein zwischen Januar und September letzten Jahres sind im polnischen Steinkohlenbergbau fast 8.200 Beschäftigte ausgeschieden, darunter mehr als 6.700 Untertagearbeiter. Die Verarbeitungsbetriebe haben in dieser Zeit 601 Mitarbeiter entlassen. Insgesamt waren Ende September 2015 fast 93.000 Mitarbeiter im polnischen Bergbau beschäftigt, darunter fast 59.000 Untertagearbeiter. Die Übertagebelegschaft lag bei über 13.000 Personen, hinzu kamen fast 11.600 technische Aufsichtsmitarbeiter und knapp 6.200 Büroangestellte. In der Woiwodschaft Schlesien waren noch bis zum Ende September vorigen Jahres mehr als 2.600 rentenberechtigte Mitarbeiter in den Steinkohlengruben beschäftigt, darunter gut 2.300 Untertagearbeiter.

 

Krzysztof Świerc

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