Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, August 8, 2022

Liegnitzer Freimaurerloge

Das Gebäude der heutigen städtischen Bibliothek in Liegnitz (Legnica) hat eine ungewöhnliche Geschichte. Es wurde am 9. September 1894 fertiggestellt und diente als Freimaurerloge des Liegnitzer Freimaurervereins „Pythagoras zu den drei Höhen im Orient“.

Das Gründungstreffen der Liegnitzer Freimaurer fand bereits im Herbst 1811 statt. Am 6. Januar 1812 wurde in Berlin offiziell der Gründungsakt unterschrieben. Zuerst wurden die Treffen der Freimaurer wohl in anderen Räumlichkeiten abgehalten. Erst 1890 hatte der Verein ein Grundstück gekauft. Auf diesem wurde dann der Vereinssitz, die Freimaurerloge, gebaut. Der Berliner Architekt J. Kröger entwarf ein zweistöckiges Gebäude im neoromanischen Stil. Über dem Eingang befindet sich eine dreieckige Überdachung, auf der wiederum eine Fensterrosette mit Freimaurersymbolen situiert ist. Das Gewölbe im Inneren ist reich dekoriert.

 

Auf der Fassade befinden sich Freimaurersymbole.
Foto: www.legnica.eu

Die Eröffnungsfeierlichkeiten waren wohl besonders festlich. In einem Artikel jener Zeit steht nämlich, dass zur Eröffnung der Liegnitzer Freimaurerloge Herr Rittmeister a. D. von Bredow, Bundes-Directoriums, aus der National-Mutterloge in Berlin anreiste. Bei der Feier anwesend waren auch Vertreter vieler Freimaurerlogen aus nah und fern: Breslau, Hirschberg, Brieg, Freiburg, Sagan, Striegau, Charlottenburg, Danzig und Frankfurt an der Oder. Nach der offiziellen Eröffnung luden die Liegnitzer 240 Gäste zu einem großen Bankett ein.

Im Gebäude befand sich neben einem Konzertsaal, einem Konferenzsaal, einer Mensa und Räumlichkeiten für die Brüder auch ein Weinkeller. Erst vor einigen Jahren wurden während einer Renovierung zufällig bunte Fresken entdeckt, die man als zeitgenössischen Comic bezeichnen könnte. Sie sind über 125 Jahre alt und stellen lustige Trinkszenen dar. Ein Bild zeigt den Teufel, der einen Betrunkenen am Arm packt. Es war wohl die Strafe für einen übermäßigen Weinkonsum. Bis 1933 funktionierte in der Freimaurerloge auch ein Restaurant.

 

Das Gebäude steht seit 1994 unter Denkmalschutz.
Foto: Mohylek/Wikipedia

Nachdem die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, wurde die Tätigkeit der Freimaurer delegalisiert. Das Gebäude wurde NSDAP-Eigentum. Bis 1945 befanden sich hier ein Sozialamt und eine Mensa. Nach dem Krieg haben russische Soldaten das Gebäude beschlagnahmt. Bereits seit 1970 aber ist es der Sitz der Liegnitzer Bibliothek. Seit 2001 ist dort auch die Galerie Loża, in der man die Arbeiten lokaler Künstler bewundern kann, tätig.

Anna Durecka

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