Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Situation in der Woiwodschaft Ermland-Masuren

Bei der Arbeitstagung der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen, die die Landsmannschaft Ostpreußen am 13./14. April  in Sensburg organisierte, stand auch die Lage des Unterrichts in Deutsch als Minderheitensprache in der Region auf dem Programm. Dazu referierte Sabina Reguła, Deutschlehrerin und Vorsitzende der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit. Mit ihr sprach Uwe Hahnkamp.

 

Wie haben Ihre Kinder damals reagiert, als die Wochenstundenzahl für Deutsch als Minderheitensprache reduziert wurde? Wie fühlen Sie sich jetzt, nachdem klar ist, dass es ab Herbst wieder drei Stunden pro Woche sein werden?

 

Meine Tochter, damals in der dritten Klasse der Grundschule und Teilnehmerin an diesem Unterricht, war einfach frustriert und traurig. Sie fragte „warum haben wir Deutschen nur eine Stunde? Haben wir etwas Böses gemacht? Sind wir in Polen nicht erwünscht?“ Jetzt, da sie weiß, dass die zwei weggenommenen Stunden pro Woche wieder in die Schulen kommen, freut sie sich und sagt „jetzt habe ich drei Stunden plus eine Stunde Geschichte und Kultur der deutschen Minderheit und noch zwei Stunden Deutsch AG, super.“ Sie hat auch an Samstagskursen teilgenommen und würde mit ihren 11 Jahren gerne Kurse für Jugendliche und Erwachsene besuchen. Als Mutter freut es mich schrecklich, dass sie so viel Freude an Deutsch hat.

„Als Mutter freut es mich, dass meine Tochter so viel Freude an Deutsch hat.“

Apropos Freude an Deutsch – wie hat sich die Reduzierung der Stunden ausgewirkt?

 

Es gibt etwas weniger Schulen und Schüler in der Woiwodschaft, die Deutsch als Minderheitensprache anbieten bzw. lernen. Es sind 41 Schulen (vorher 43) und 2.111 Schüler (vorher 2.116) mit Schwerpunkten in den Kreisen Neidenburg/Nidzica, Sensburg und Allenstein/Olsztyn sowie in der Stadt Allenstein. Es ist schade, dass in vielen anderen Landkreisen Kinder und Eltern nicht die Möglichkeit dieses Unterrichts nutzen.

Schade, dass die Kinder es nicht nutzen, aber auch schade, dass die Schulen die zusätzlichen Zahlungen des Staates nicht nutzen. Um wie viel Geld geht es dabei?

 

Für jeden Schüler ist allgemein eine bestimmte Summe als Subvention vorgesehen, das sind 6.000 Złoty. Für Personen, die Deutsch als Minderheitensprache lernen, gibt es weitere Gelder je nach Anzahl der Schüler pro Schule. Bei weniger als 80 Schülern etwa erhält die Schule bzw. die Gemeinde noch einmal 4.500 Złoty pro Kopf. Bei nicht-öffentlichen Schulen landet das Geld direkt beim Schulträger, der dafür das Gehalt des Lehrers, pädagogische Ausstattung und Ausflüge bezahlt. Bei öffentlichen Schulen wird von der Gemeinde in den meisten Fällen nur das Lehrergehalt übernommen.

Zumindest aber das Gehalt – und ein weiterer Lehrer hat eine Stelle. Wäre es nicht gut, wenn diese Änderung auf drei Stunden schneller umgesetzt werden würde?

 

Erst einmal sind wir froh, dass diese Änderung bestätigt wurde, unter anderem von Frau Ministerin Lubnauer in Krappitz/Krapkowice Anfang April. Aber die Änderung braucht Zeit. Der Stundenplan muss angepasst werden, die Schulen müssen neue Lehrer finden oder die früheren wiederfinden, die ganze Organisation drumherum ist ein Haufen Arbeit. Der Termin zum 1. September ist vernünftig, auch wenn ich als Mutter froh wäre, wenn es schneller ginge.

 

Sie betreuen im Kreis Neidenburg Deutsch als Minderheitensprache und in den Woiwodschaften Ermland-Masuren und Pommern das Projekt Deutsch AG. Worum geht es bei diesem zusätzlichen Angebot?

 

Sabina Reguła referiert bei der Arbeitstagung der deutschen Vereine in Sensburg.
Foto: Uwe Hahnkamp

Die Deutsch AG richtet sich an Grundschüler der vierten bis achten Klasse. Es reichen fünf Schüler aus, um eine Gruppe zu gründen, die nach dem normalen Unterricht zwei Stunden Extra-Deutsch in spielerischer Form hat. Didaktisch-fachliche Unterstützung gibt es vom Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen VdG. Die Rückmeldung von den Lehrern ist sehr positiv und das Projekt macht ihnen und ihren Schülern große Freude. Bisher findet in unserer Woiwodschaft die Deutsch AG nur in Neidenburg statt.

 

Wie ist die Rolle der Schule im Projekt, woher kommen die Gelder?

Die Schule stellt kostenlos einen Raum zur Verfügung und kann einen ihrer Deutschlehrer als Leiter der Projektgruppe vorschlagen, von ihr kommen also der Lehrer, Kinder und ein Raum – und eine offene Einstellung zu diesem zusätzlichen Unterricht. Das Honorar des Lehrers und die allgemeinen Projektkosten übernimmt der VdG. Die Mittel dafür kommen vom Bundesministerium des Inneren und für Heimat der Bundesrepublik Deutschland. Versuchen Sie es auch an Ihrer Schule.

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