Freiwaldau (Jesenik) wurde bei unseren Wandervorschlägen schon oft erwähnt – meistens als Orientierungspunkt, als kleinere Ortschaften in der Gegend besucht wurden. Nun ist es Zeit, auch in die Stadt selber einen Blick zu werfen.

 

Auf dem Gipfel des Kreuzbergs befindet sich auch das im Jahre 1902 errichtete Restaurant.
Foto: Łukasz Malkusz

 

Die Grenzstadt des Neisser Fürstentums

 

Unsere Wanderungen starten wir auf dem Freiwaldauer Ring. Meistens gibt es hier genug Platz, und an Wochenenden ist das Parken sogar umsonst. Nicht weit von hier befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Besonders interessant sind das Rathaus aus dem Jahre 1610 und die mittelalterliche Wasserburg. Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert gegründet, und gehörte über 600 Jahre lang den Breslauer Bischöfen. Lange war sie auch Grenzstadt des Neisser Fürstentums, denn nur wenige Kilometer südlich befindet sich die Grenze zwischen Oberschlesien und Mähren. Wanderer interessiert vor allem die ausgezeichnete touristische Lage des Ortes, wieder an der Grenze – diesmal zwischen dem Reichenberger Gebirge, dem Oppagebirge und dem Altvatergebirge.
Am Ring sollten wir nach dem blauen Wanderweg Ausschau halten. Es erwartet uns ein mittelschwerer Anstieg, der etwa eine Stunde in Anspruch nimmt. Auf den Weg auf die Spitze des Kreuzberges besuchen wir unter anderem den Stadtpark, der sich auf den Hängen der Erhebung befindet.

 

 

Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt ist das im Jahre 1610 erbaute Rathaus.
Foto: Łukasz Malkusz

 

Der Berg der Deutschen

 

Eine erste hölzerne Kapelle auf dem Kreuzberg wurde bereits im 17. Jahrhundert gebaut, eine zweite wurde am Anfang des 19. Jahrhunderts durch den Bauer Neugebauer errichtet. Das heutige Gebäude stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Initiator ihres Baus war Pfarrer Gotthard Sax aus Weidenau (Vidnava). Zuerst wurde ein Kreuzweg aus Freiwaldau auf die Bergspitze geführt, danach wurden in den Jahren 1845-1847 die Maurerarbeiten durchgeführt. Leiter waren dabei der Maurermeister Josef Schroth und der Tischlermeister Frank Priessnitz aus Freiwaldau. Die Glocke der Kapelle wurde 1847 von Karl Stecher aus Brünn gegossen. Danach wartete das Gebäude 14 Jahre auf seine Einweihung, die durch Bischoff Heinrich Foerster durchführt wurde. Wie man also sieht, hängt die Geschichte des Kreuzberges untrennbar mit den Deutschen aus der Region zusammen.
Ausruhen kann man sich hier im Restaurant, dass 1902 errichtet wurde. Von hier aus kann man mit der blauen oder roten Wanderroute nach Freiwaldau zurückgehen, oder auch einer der zahlreichen anderen Routen folgen, um Reihwiesen (Rejviz) oder die Goldkoppe zu besuchen. Wie viele Berge in den Sudeten, bietet auch der Kreuzberg eine Alternative für diejenigen, die nur über wenig Ausdauer verfügen. Nicht weit von Gipfel entfernt befindet sich ein Parkplatz. Man kann sich also auch an der Geschichte des Ortes und den Ausblick auf Freiwaldau erfreuen, ohne den mühsamen Aufstieg auf sich zu nehmen.

 

 

Łukasz Malkusz