Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, January 17, 2022

Nicht wegschauen!

Eines der Ortsschilder von Birawa nach der Scjmierattacke
Foto: J. Hassa

 

Das seit 15 Jahren geltende Minderheitengesetz in Polen erlaubt u.a. die Aufstellung von zweisprachigen Ortsschildern in Gemeinden oder einzelnen Ortschaften, wo eine anerkannte nationale oder ethnische Minderheit lebt. Diese Schilder waren und sind immer wieder Ziel von Schmierattacken.

 

Das jüngste Beispiel kommt aus der Gemeinde Birawa (Bierawa) im Kreis Kandrzin-Cosel. Am 10. Mai bemerkte Joanna Hassa, Vorstandsmitglied der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, die Schmierereien an zwei zweisprachigen Schildern im Hauptort der Dorfgemeinde. „Wenige Tage vorher gab es ja den polnischen Nationalfeiertag zum 3. Mai und am 8. Mai wurde der 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges begangen. Vielleicht haben sich der oder die Täter gedacht, dass sie mit einer solchen Aktion auf diese Feiertage besonders aufmerkasam machen sollten“, vermutet Joanna Hassa.

 

Nur zwei?

Für die Vertreterin der deutschen Minderheit, die selbst aus dieser Gemeinde stammte, spielt es aber keine Rolle, dass es „nur“ zwei Schilder sind, die beschmiert wurden. „Dass es sich dabei um eine Aktion gegen die Minderheit handelt, zeugt die Tatsache, dass nur der deutsche Ortsname beschmiert wurde und nicht beide Schilder. Wenn man nicht darauf reargiert, könnte es also heißen, dass die lokale Gemeinschaft in der Gemeinde Birawa, aber auch die Gesellschaft generell, solche Attacken zumindest tolleriert und das wollen wir als Organisation der deutschen Minderheit vermeiden“, erklärt Joanna Hassa ihre Veröffentlichung der Schmierattacken.

In der Oppelner Region leben ja, wie Joanna Hassa sagt, nicht nur Polen, Deutsche und Schlesier, sondern auch Vertreter anderer Kulturen und Nationalitäten, die der Arbeit wegen hierher gekommen sind. Alle müssen sich hier im multikulturellen und -nationalen sicher vor Anfeindungen fühlen.

 

Joanna Hassa Foto: Manuela Leibig

 

Polizei verständigen

Deshalb hat SKGD-Vorstandsmitglied Hassa auch gleich mehrere Behörden von den Schmierattackenin Birawa informiert. „Ja, ich habe die Minderheitenbeuaftragte des Oppelner Woiwoden angeschrieben, die kurze Zeit später geantwortet hat, dass sie sich der Sache annehmen wolle und vor allem den Woiwoden informieren werde. Ich habe auch an die Gemeindeverwaltung und die Polizei in Kandrzin-Cosel eine Mail geschrieben“, sagt Joanna Hassa und betont, dass sie sich vor allem von der Polizei konkrete Schritte erhofft. „Ich weiß, dass meine Information wenig sachdienliche Hinweise beinhaltet, denn ich war ja nicht Zeugin der Attacke selbst. Trotzdem hoffe ich, dass die Polizeit die Sache ernst nimmt und eine Untersuchung einleitet, damit auch anch Außen hin sichtbar wird, dass solche Aktionen nicht geduldet werden.

Wir haben bei der Polizei angefragt und das Pressebüro bestätigte, dass Ermittlungen in diesem Fall aufgenommen wurden. Auch das Birawer Gemeindeamt hat mittlerweile reagiert und die beschmierten Ortsschilder säubern lassen.

 

Nicht wegschauen

Dass die Täter vielleicht gefunden werden, ist für Joanna Hassa das eine. Viel wichtiger, sagt sie, ist es, dass die Menschen nicht wegschauen, wenn fremdenfeindliche, gegen Minderheiten gerichtete Aktionen stattfinden, seien sie auch noch so klein. „Ob es nun Schmierattacken auf Ortsschilder oder Haskommentare im Internet sind, schauen Sie nicht weg! Melden Sie solche Vorfälle, denn nur dann kann man ihnen Einhalt gebieten“, appeliert Joanna Hassa.

 

Rudolf Urban

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