Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, September 25, 2022

Ausstellung über Migrationen

Leszek Jodliński (rechts) findet sich als Direktor des Oberschlesischen Museums bestens zurecht. Foto: Oberschlesisches Museum.
Leszek Jodliński (rechts) findet sich als Direktor des Oberschlesischen Museums bestens zurecht. Foto: Oberschlesisches Museum.

Seit Leszek Jodliński im Oberschlesischen Museum in Beuthen das Ruder übernommen hat, ist mittlerweile fast ein halbes Jahr vergangen. Auch wenn dies im Museumswesen – wie er selbst sagt – eine kurze Zeit sei, ist in der Einrichtung bereits ein dynamischer Geist zu spüren. Das ist eine Chance auch für die deutsche Minderheit, die inzwischen die Zusammenarbeit mit dem Museum aufgenommen hat.

 

Wie es aussieht, findet sich Jodliński nach der Affäre um die Dauerausstellung im neuen Schlesischen Museum nun bestens in seiner neuen Position zurecht und kann sein Können ein weiteres Mal unter Beweis stellen. So sind ihm in dieser Zeit mehrere interessante Projekte gelungen, und zwar nach Aussage des Museumsdirektors mit einem guten Effekt: „In gewissem Sinne ist das Museum bereits erkennbarer geworden. Mein Ziel ist es, seine Marke aufzubauen, und es ist etwas, das zurzeit auch geschieht.“

 

Das industrielle Oberschlesien

 

Unter Leszek Jodliński profitiert das Oberschlesische Museum sowohl inhaltlich, als auch finanziell. So soll der Etat für das Jahr 2017 dem Direktor zufolge „wesentlich höher sein als im vorangegangenen Jahr”. Außerdem konnten auch Fördermittel aus dem Kulturministerium gewonnen werden. Dies ist laut Jodliński „ein Beweis für Effizienz auch bei der Beschaffung externer Mittel”. Im Rahmen der im Museum präsentierten Artefakte konnten indes über die letzten sechs Monate viele interessante Gegenstände mit Bezug auf das Leben im Vorkriegs-Oberschlesien zusammengetragen werden, wozu auch die deutsche Minderheit beigetragen hat. So spendete der DFK-Vorsitzende in Peiskretscham Roland Skubała dem Museum unlängst eine Reihe von Dokumenten in Zusammenhang mit dem industriellen Leben im alten Oberschlesien. Für die überreichte Gegenstände erhielt Skubała von Jodliński eine offizielle Danksagung, in der es ausdrücklich heißt, dass die Dokumente nicht nur die Museumssammlung bereichern, sondern auch „ein Bezugspunkt für weitere Nachforschungen und Themenausstellungen” sind.

 

Migrationen in Oberschlesien

 

Im Beuthener Museum könnte aber auch ein anderer Teil der Geschichte der Deutschen in Polen als nur im industriellen Oberschlesien gezeigt werden. Vor einigen Monaten sagte der Marschall der Woiwodschaft Schlesien Henryk Mercik in einem Gespräch mit dem Wochenblatt, er könne sich dort durchaus eine Ausstellung über Migrationen vorstellen, die sich den Vertreibungen der Deutschen aus Schlesien und der Ankunft von Heimkehrern aus den ehemals polnischen Ostgebieten widmen würde. Schlesische Wissenschaftler fordern schon seit Jahren eine solche Ausstellung und auch verschiedene gesellschaftliche Kreise stehen ihr positiv gegenüber. Eine Ausstellung über Migrationen verlangen geradezu Umsiedler aus Ostpolen, Wissenschaftler der Schlesischen Universität sowie führende Vertreter der deutschen Organisationen in der Region.

 

Sollte also eine Ausstellung über Vertreibungen im Oberschlesischen Museum zustande kommen, wird das öffentliche Interesse daran bestimmt sehr groß sein.

 

Łukasz Biły

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