Im Rahmen unserer Reihe sind wir schon bei Grunwald durch eine Gegend gewandert, die der arktischen Tundra ähnelt. Diesmal laden wir nach Raspenau (Łączna) ein, wo sich Szenen wie in Afrika, Asien und Südamerika abspielen.

 

Eine Zebrafamilie im Herzen der Sudeten – Ein Anblick typisch für Raspenau Foto: Łukasz Malkusz

Am einfachsten kommen wir an unser Ziel durch Friedland (Mieroszów), das ungefähr 15 Kilometer von Waldenburg entfernt ist. Der Ort ist zwar nicht unser eigentliches Reiseziel, aber auf jeden Fall einen Blick wert. Bis zirka 1230 befand sich Friedland in den Landesgrenzen von Böhmen, danach im Herzogtum Schweidnitz (Świdnica) und schließlich ab dem 18. Jahrhundert in Preußen. Während dieser Jahrhunderte wurde die Stadt oft von Kriegen heimgesucht, blieb 1945 aber weitgehend verschont. Deshalb kann man heute eine fast unversehrte Altstadt besichtigen. Interessant ist dabei vor allem die gotische Erzengel-Michael-Kirche aus dem Jahr 1472, neben der eine Nepomukfigur aus dem 18. Jahrhundert steht. An der Strzelecka-Straβe steht ein Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert. Aus dem 19. Jahrhundert stammen vor allem die Schulgebäude an der Wolności- und Mickiewicza-Straβe, das Krankenhaus, die Alte Post und zahlreiche Wohnhäuser.

 

 

Kleiner Zoo

Von Friedland ist Raspenau eine kurze Reise mit dem Auto entfernt. Ein Parkplatz befindet sich im Dorfzentrum. Der Ort ist von drei Richtungen durch Seitenarme des Heuscheuergebirges umgeben. Das Dorf wurde bereits im Jahre 1302 erwähnt, wichtige historische Ereignisse blieben jedoch aus. Der Ort ist vor allem durch die Gegenwart bekannt. 2012 erhielt die hier am Anfang des 21. Jahrhundert gegründete ZOO-Farm offiziell den Status eines Zoologischen Gartens. Damit befindet sich in Raspenau, neben Breslau, der zweite Zoo in der Woiwodschaft Niederschlesien. Das hat auch ganz interessante Auswirkungen auf unseren Spaziergang.

Mit der Wanderung beginnen wir gleich am Zoo. Wir empfehlen dabei, ganz früh herzukommen, am besten einige Stunden bevor der Garten öffnet. Nicht nur hat man dann einen Platz sicher, sondern man fühlt sich auf einmal wie auf einem anderen Kontinent. Wir halten zuerst nach dem blauen Wanderweg Ausschau, der uns schnell aus dem Dorf und zwischen Hügel führt. Auf den Weiden grasen oft Zebras, die auch gerne an die Strecke kommen, um sich die Touristen anzusehen. Aus dem Zoo selber kommen Schreie von Affen, die man noch Kilometer weiter hören kann. Es ist ein Stück Afrika im Herzen der Sudeten – ein ganz außerordentliches Erlebnis.

 

Auf den Gipfel

Die blauen Zeichen führen uns in zirka 30 Minuten in Wälder, in denen wir eine weitere Stunde spazieren gehen. Es ist ein mittelschwerer Anstieg. Auf der 4,5 Kilometer langen Strecke klettern wir 200 Meter hoch. Letztendlich sind wir auf dem 715 Meter hohen Gipfel des Streitbergs. Dieser befindet sich im Wald und enttäuscht zunächst. In wenigen Minuten jedoch verlassen wir den bewachsenen Teil des Gipfels und erfreuen uns an einem schönen Panorama. Zu sehen sind vor allem das Rabengebirge und das Riesengebirge mit der Schneekoppe, wir sehen jedoch auch ganz genau Schömberg (Chełmsko Śląskie).

Zurück führt uns zunächst der rote Wanderweg, dann kann man den gelben oder grünen auswählen. Der gelbe ist zwar kürzer und einfacher, wir empfehlen aber den grünen, der uns zwischen idyllischen Weiden nach Raspenau zurückführt. Nach 70 bis 90 Minuten sind wir dann wieder am Parkplatz und können zum Abschluss des Ausflugs nun gemütlich den Zoo besuchen.

 

Łukasz Malkusz