Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, December 8, 2022

Ausdruck der eigenen Identität

In der Klubokawiarnia OPO fand ein Poetry-Slam statt. Der Abend stand unter dem Thema „Slammin‘ for the future – Unsere gemeinsame Zukunft in Europa“. Organisator war das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit.

Bei Poetry-Slams werden selbstverfasste Texte rhythmisch und ausdrucksstark vorgetragen. Dabei kann es zum Beispiel um Themen gehen, die die Autoren persönlich berühren oder die Gesellschaft kritisieren. Bei „Slammin‘ for the future – Unsere gemeinsame Zukunft in Europa“ sollten die jungen Deutschen, Polen und Ukrainer über ihre eigene Identität reflektieren.

Die Ukrainerinnen trugen traditionell bestickte Kleidung.
Foto: Louisa Hoffmann

Alles begann mit einem viertägigen Workshop. Die Teilnehmenden philosophierten über das Schreiben an sich. Mithilfe der Fragen „Wer bin ich?“, „Wo bin ich?“ und „Wer will ich sein?“, sollten sie eigenen Poetry-Slams entwickeln. „Nachdem wir unsere Text geschrieben hatten, ging es um Wege, sie zu präsentieren, den Text nicht nur vorzulesen, sondern auch zu performen“, erzählt Jonathan Lange aus Dresden. Als einziger Junge war er der Hahn im Korb. Er hätte sich aber sehr wohl in der Gruppe gefühlt: „Als Junge hört man ja manchmal, dass man Gefühle nicht zeigen soll. Ich habe mich hier aber sehr geöffnet und wurde dafür nicht verurteilt und habe mich zu Hause gefühlt.“

Als Teil des Vorstands der „Aktion West-Ost”, der deutschen Partnerorganisation des Projekts, hatte Jonathan früh von dem Workshop erfahren und war sofort begeistert. Auch Maria Kohutiak aus Iwano-Frankiwsk im Westen der Ukraine wusste schnell, dass sie mitmachen möchte. Da sie schreiben mag und gern neue Leute kennenlernen wollte, war das die perfekte Chance, beides zu verbinden. Besonders die gemischte Gruppe aus verschiedenen Nationen hat ihr gefallen. „Hier sind drei verschiedene Sprachen und dazu noch Englisch, also sprechen wir in vier Sprachen und das ist super“, schwärmt Maria.

Ihre eigenen Sprachkenntnisse stellt sie auch gleich unter Beweis und performt ihren Slam über ihre innere Gefühlswelt auf Deutsch. Es folgen Beiträge auf Deutsch, Polnisch, Ukrainisch und Englisch. Im Hintergrund steht eine Leinwand, auf der die englische Übersetzung der Texte läuft. Manche Slams sind humorvoll und behandeln Alltagsthemen, wie zum Beispiel, dass der Beruf eines Informatikers von einem Introvertierten im Keller sich zu einem Extrovertierten im Co-Working-Space gewandelt hat.
Aber auch ernstere Themen, wie der Krieg in der Ukraine, wurden angesprochen. Die Begleiterin der ukrainischen Gruppe trägt ihren Poetry-Slam auf Deutsch und Ukrainisch vor. Sie erzählt von ihrer Familie, der Heimat und von Hoffnung. Dazu wird im Hintergrund das Geräusch eines schlagenden Herzens abgespielt.

 

 

Für die Teilnehmerinnen aus der Ukraine war der Tag noch aus einem anderen Grund besonders. Der 24. August ist der Tag der Unabhängigkeit der Ukraine, also der Nationalfeiertag. Zu diesem Anlass trugen sie alle die traditionellen Wyschywankas. Das sind bestickte Oberteile, die besonders in der Ukraine verbreitet sind und dort als nationales Kulturgut gelten.

Dieses Jahr fand der Poetry-Slam Workshop schon zum dritten Mal statt. Ein Video des gesamten Abends gibt es auf der Facebook-Seite des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit.

Louisa Hoffmann

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