Zwei Mal besuchten wir während unserer Wanderungen bereits die Bischofskoppe, den höchsten Gipfel des Oppagebirges. Nicht weit von ihr befindet sich die etwas niedrigere Silberkoppe, die zu Unrecht viel seltener Touristenziel ist.

 

Die Silberkoppe ist seit 2017 ein ausgezeichneter Aussichtspunkt

 

Unseren Ausflug beginnen wir in Neudeck (Wieszczyna), das am besten mit dem Auto von Neustadt (Prudnik) aus zu erreichen ist. Es war Jahrhunderte lang ein abgelegener Ort, der eigentlich nur aus wenigen Bauernhöfen bestand. Um 1840 entstand hier ein Zollamt, nach der Mitte des 19. Jahrhunderts baute der Neustädter Fabrikant Fränkl hier eine Ferienanstalt für seine Angestellten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Ort ein Kindersanatorium gebaut. Mehrmals umgebaut, dient es heute als Jugendherberge. Erhalten blieb auch die Tymotheuskapelle, ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Parkmöglichkeiten gibt es an der Dorfstraße und bei der Jugendherberge.

 

 

Entlang der ältesten Wanderroute

Hier halten wir nach den blauen Zeichen ausschau. Dieses führen uns die älteste Wanderroute entlang, die Neustadt und die Bischofskoppe schon im 19. Jahrhundert verbunden hat. Diesem Weg folgen wir etwa 1,5-2 Stunden, bis zum Dreigrenzenpass. Es ist ein mittelschwerer Anstieg, der schöne Aussichten Richtung Tschechien bietet – wir sehen unter anderem den Rochus-Berg. Beim Wanderweg befinden sich die Quellen des Lauter-Baches, über den uns mehrere Holzbrücken führen.
Der Dreigrenzenpass war das Dreiländereck zwischen den Fürstentümern Neiße, Oppeln und Mähren. Auf dem Pass befindet sich das sogenannte Hexengrab. Laut einer örtlichen Legende wurde hier 1614 die Frau des Vogtes aus Johannesthal (Janov) begraben, die eine wegen Hexerei verurteilte Heilkräutersammlerin war. Einer anderen Legende nach war die Frau eine Heilerin aus Arnoldsdorf (Jarnołtówek), die hier Selbstmord begangen haben soll.

 

Beim Wanderweg befinden sich die Quellen des Lauter-Baches, über den uns mehrere Holzbrücken führen.

 

Zwei Gipfel im Schatten der Bischofskoppe

Keine zehn Minuten vom Pass entfernt befindet sich der Schlossberg, der einen kleine Abstecher wert ist. Auf dem Gipfel wurde im 14. Jahrhundert eine kleine Burg gebaut, die das Dreiländereck bewachte. Lange wurde sie jedoch nicht benutzt – bereits im 15. Jahrhundert zerstörten sie vermutlich die Hussiten. Kurz danach waren die Ruinen noch der Sitz eines Raubritters, bevor man sie für Jahrhunderte vergaß. Sie wurden erst 1976 wiederentdeckt.

Weiter nach oben führt uns der rote Wanderweg. Dieses Teilstück ist relativ kurz, aber sehr anstrengend. In einer Stunde klettern wir fast 300 Meter hoch, bevor wir unser Ziel erreichen. Die Silberkoppe ist der zweithöchste Gipfel des Massives der Bischofskoppe. Jahrelang war er durch einen Tannenwald bewachsen und bot dadurch keine Ausblicke. Das änderte sich 2017, als der Wald abgeholzt wurde und in der Nähe der Spitze ein Aussichtsturm als Holz entstand. Nun kann das Panorama von der Silberkoppe fast mit dem vom höheren Berg konkurrieren, und in das Tal des Seifengrabens und nach Neustadt kann man sogar noch viel genauer blicken.

 

Text und Fotos: Łukasz Malkusz
Fotobeschreibung:
H1 – Die Silberkoppe ist seit 2017 ein ausgezeichneter Aussichtspunkt
H2 –