Mit einem von der Europäischen Union finanzierten Budget von über 7 Mio. Euro startet die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien das Projekt “Oppelner Senior”. Zusammen mit Partnern will sie Senioren, Hilfsbedürftige und deren Betreuer unterstützen und aktivieren.

 

Das Projekt “Oppelner Senior” soll ältere und hilfbedürftige Menschen aktivieren. Bei der Pressekonferenz zum Auftakt des projektes (v.l.) Oppelns Vizemarschall Roman Kolek, SKGD-Chef Rafał Bartek, Projektkoordinator Krystian Baldy und die Psychologinnen Agnieszka Stąpor und Paulina Szczechla.
Foto: Rudolf Urban

Mit EU-geförderten Projekten für Senioren hat die Oppelner SKGD bereits Erfahrung, denn vor einigen Jahren erhielt sie über das Oppelner Marschallamt bereits den Zuschlag für eine Initiative, bei der Treffpunkte für Senioren gegründet wurden. “Damals ging es ebenfalls darum, diese Punkte mit Leben zu füllen, also wurden Animateure ausgebildet, die dann mit den Teilnehmern der Seniorenklubs viel unternommen haben”, erinnert sich SKGD-Vorsitzender Rafał Bartek. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Projektdauer wurden die meisten Klubs von den Komunen aber nicht weiterbetrieben und die ausgebildeten Animateure erhielten keine Folgeangebote in ihren Gemeinden.

20 Klubs

Zur Zeit sucht die SKGD nach 20 geeigneten Orten, in denen Seniorenklubs im Rahmen der neuen Förderung eröffnet werden können. “Aus allen Bewerbern werden dann die 20 ausgewählt, die die besten Voraussetzungen haben. Natürlich wollen wir auch nicht, dass alle Klubs in direkter Nachbarschaft zueinander liegen, denn der “Oppelner Senior” ist ein Projekt für die gesamte Woiwodschaft”, sagt Krystian Baldy, Projektkoordinator. Zudem sollen in diesen Klubs Animateure und Koordinatoren tätig sein, die die Treffpunkte mit Leben füllen. “Ziel ist es nämlich die Menschen aus dem Haus zu bekommen, damit sie in den Klubs etwas anderes machen als zuhause. So ist das Internet ein wichtiges Thema ebenso wie Sport und vieles mehr. Wir wollen die Menschen zu mehr Aktivität animieren, damit sie sich weiterhin als Teil der lokalen Gemeinschaft fühlen”, sagt Krystian Baldy.

Die Klubs sollen zunächst bis Ende 2022 tätig sein, denn für diesen Zeitraum ist die Projektfinanzierung vorgesehen. “Wir werden aber beim zuständigen Oppelner Marschallamt beantragen, das Projekt ein Jahr zu verlängern, um so zunächst die Tätigkeit der Klubs zu sichern. Danach hoffen wir auf die Komunen, die die Klubs weiter tragen werden”, sagt Rafał Bartek und fügt hinzu, dass die in den Klubs beschäftigten Personen keineswegs ehrenamtlich tätig sein sollen: “Im Gegenteil sollen sie für diese wichtige Aufgabe in den lokalen Gemeinschaften entlohnt werden, auch wenn uns bewusst ist, dass die Mittel keine großen Sprünge zulassen”.

Alle Informationen zum Projekt gibt es auch der Internetseite www.opolskisenior.pl

Nachbarschaftshilfe

Die 20 Seniorenklubs sind aber nicht der einzige Bestandteil des “Oppelner Seniors”. Daneben sollen Helfer ausgebildet werden, die ältere und bedürftige Menschen, sei es in der Nachbarschaft oder auch in der eigenen Familie, unterstützen, und zwar sowohl bei alltäglichen Dingen wie Einkaufen, aber auch in der Krankenpflege. “Wir wissen, dass es heute bereits vielerorts Praxis ist, dass man sich um den kranken Nachbarn, die Tante oder Oma kümmert. Diese Pflege wird aber von Laien getan, die keine Erfahrung haben und oft erst bei dieser Arbeit lernen. Ihnen wollen wir unter die Arme greifen”, sagt SKGD-Chef Rafał Bartek.

Insgesamt 40 solcher Altenpfleger werden im Rahmen des Projektes von der Wohltätigkeitsgesellschaft, einem der beiden Partner der SKGD, ausgebildet und dann für die nächsten drei Jahre beschäftigt. “Es geht um eine ganzwöchige Hilfe und Interessierte können sich ab sofort in den Ortrsgruppen der Wohltätigkeitsgesellschaft melden”, sagt Krystian Baldy.

Telefonberatung

Sowohl die Klubs als auch die Nachbarschafthilfe sind beim “Oppelner Senior” lokal gebundene Initiativen. Die SKGD möchte allerdings auch für die Allgemeinheit ein Angebt starten und zwar dank des mobilen Servicetelefons für Senioren. Zwei Psychologinnen stehen dort sowohl den Senioren, Hilfsbedürftigen als auch ihren Betreuern ab sofort zur Seite. “Unser Telefon ist täglich von 8.00 bis 22.00 Uhr aktiv. Wir sind eine erste Anlaufstelle bei verschiedenen Problemen, denn bei der Seniorenbetreuung kommt es zu unterschiedlichen Spannungen”, sagt Agnieszka Stąpor, eine der Psychologinnen.

Die Nummern zum Servicetelefon für Senioren lauten: 509 456 578 und 509 456 581

Gerade das Servicetelefon sieht OppelnsVizemarschall Roman Kolek als wichtiges Instrument an. “Heute hat jeder ein Telefon und kann schnell eine erste psychologische Hilfe erhalten, auf die man sonst im doch relativ schlecht funktionierenden Gesundheitssystem lange warten müsste”, sagt er und freut sich, dass die beiden Psychologinnen keinesfalls nur aus der SKGD-Geschäftsstelle heraus helfen sollen, sondern nach dem Start der Seniorenklubs auch dort vor Ort Termine wahrnehmen werden.

Rudolf Urban