Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, January 26, 2022

Oppeln wie es vor dem Krieg war – Was alte Postkarten erzählen

Alte Postkarten sind ein wertvoller Schatz für Historiker und Geschichtsinteressierte. Sie erzählen viel über die Vergangenheit einer Region. Besonders interessant: die Bilder von Oppeln, wie es vor dem Krieg war. Die Woiwodschaftsbibliothek in Oppeln hat vor Kurzem ihre Sammlung erweitert und macht sie den Bewohnern der Stadt zugänglich.

 

 

 

 

Rund 5000  Postkarten aus der Oppelner Woiwodschaft besitzt die Bibliothek, darunter etliche, die das deutsche Vorkriegs-Oppeln zeigen. Erst im letzten Monat sind einige neue dazu gekommen. Bibliothekarin Barbara Gierdrojć mag die alten Postkarten besonders gern. „Sie gewähren uns einen Einblick in vergangene Zeiten und zeigen viele Orte, die es heute nicht mehr gibt“, sagt Gierdrojć. Die Synagoge am Schlossplatz zum Beispiel, die in der Reichsprogromnacht vom neunten auf den zehnten November 1938 zerstört worden ist.

 

 

Seltene Aufnahme: Das Rathaus ohne Turm

Ein ganz besonderes Exemplar befindet sich bereits seit zwei Jahren im Besitz der Bibliothek, es zeigt den Oppelner Ring aus der Vogelperspektive. Bei einem flüchtigen Blick darauf ist kaum zu erkennen, um welche Stadt es sich handelt. Der Grund: Das prägnante Rathaus, das im Baustil dem Florenzer Palazzo Vecchio nachempfunden ist, fehlt. So scheint es zumindest. „Es handelt sich um seltene Aufnahmen aus den 30er Jahren, als das Rathaus keinen Turm hatte“, sagt Barbara Gierdrojć.

 

Anfang der 30er Jahre wurden die an der westlichen Seite des Gebäudes gelegenen Krämerhäuser abgerissen. Danach kam es zum Einsturz des Rathausturmes. Durch das Fehlen der Häuser hatte der Turm seine Stützen verloren. 1934 begann man mit dem Neubau des 60 Meter hohen Turmes, der 1936 fertiggestellt wurde.

 

 

Beliebtes Motiv: der Bahnhof

Auf einer anderen Postkarte ist der Oppelner Bahnhof zu sehen, der sich seit seiner Erbauung optisch kaum verändert hat. „Der technische Fortschritt spielte eine große Rolle. Als es die ersten Bahnstrecken gab, wurden Bahnhöfe zu beliebten Motiven“, so Gierdrojć. Die Karte zeigt auch ein Bismarck-Denkmal vor dem Bahnhof. Es ist nach dem Krieg verschwunden, aber der halbrunde Beton-Zaun, der das Denkmal umgeben hat, steht bis heute.

 

 

Besonders wertvoll: lithografische Drucke

„Postkarten haben ihre Blütezeit erlebt, als sich der Massentourismus entwickelt hat“, erklärt Barbara Gierdrojć. „Die Menschen haben angefangen zu verreisen, und sie wollten Karten verschicken von den Orten, die sie besuchten.“ In der Sammlung der Bibliothek finden sich so auch einige von der Schneekoppe und dem Riesengebirge oder auch von Kurorten wie dem niederschlesischen Bad Salzbrunn. „Besonders hübsch sind die lithografischen Drucke“ , schwärmt Gierdrojć. „Sie gehören zu den ältesten Postkarten. Sie sind aufgrund ihrer besonderen Ästhetik sehr wertvoll und zeigen häufig seltene Motive.“

 

Zu den seltensten Motiven gehöre der Bahnhof  Oppeln Ost, so Gierdrojć. Da könne eine Postkarte heute gern einmal 300 Zloty kosten. Sehr beliebt sei dagegen der damalige Friedrichsplatz (heute plac Daszynskiego) gewesen. Solche Postkarten bekommen Sammler deshalb schon fast als Schnäppchen.

 

Die Karten-Sammlung wird von der Bibliothek digitalisiert und ist für Interessierte einzusehen. Auch in zahlreichen Ausstellung werden sie der Öffentlichkeit präsentiert.

 

Marie Baumgarten

 

 

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