Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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132.500 Deutsche

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Nach den Zahlen, die das Statistische Hauptamt auf der Grundlage der Volkszählung 2021 veröffentlicht hat, leben 132.500 Deutsche in Polen, während 199.000 Menschen die deutsche Sprache im häuslichen Kontakt verwenden. Für Angehörige der deutschen Minderheit ist insbesondere die letztgenannte Zahl sehr erfreulich.

 

Die Volkszählung, die vom 1. April bis zum 30. September 2021 stattfand, sollte u.a. die Frage beantworten, wie die Nationalitätenstruktur in Polen aussieht und welche Sprache die Menschen zu Hause sprechen. Das Statistische Hauptamt legte die Ergebnisse jedoch lange Zeit nicht vor und präsentierte erst im November 2022 die ersten Daten, aus denen hervorging, dass bis zu 3,7 Millionen Menschen keiner Nationalität zugeordnet werden konnten.

 

Deutsche

Wie Vertreter des GUS in einer Sitzung des Parlamentsausschusses für nationale und ethnische Minderheiten versicherten, sollten die Daten im April 2023 erscheinen. Am Tag nach den Osterfeiertagen veröffentlichte das GUS nun Daten, die für viele überraschend sein dürften.

 

Bei der Volkszählung wurde die Daten vor allem durch selbstauskunft ermittelt.
Foto: Rudolf Urban

 

Daraus geht hervor, dass es in Polen 132.500 Deutsche gibt, von denen 38.700 diese Nationalität als erste und 93.800 als zweite angegeben haben. Dies ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zur Volkszählung 2011. Damals wurde die deutsche Volkszugehörigkeit (entweder als erste oder zweite Nationalität) noch von 147.814 polnischen Einwohnern angegeben. Das zweite überraschende Ergebnis betrifft die Sprache der häuslichen Kontakte. Während 2011 der Gebrauch der deutschen Sprache von „nur“ 96.461 Personen angegeben wurde, ergab die letzte Zählung ein Ergebnis von 199.000 Sprechern der deutschen Sprache bei privaten Kontakten.

 

Meinungen

 

Foto: Zuzanna Donath-Kasiura Foto: UMWO

 

Vertreter der deutschen Minderheit stellen fest, dass der Rückgang der Zahl der Personen, die sich zur deutschen Nationalität bekennen, spürbar ist, was jedoch, wie die stellvertretende Marschallin der Woiwodschaft Oppeln, Zuzanna Donath-Kasiura, betont, auch mit der politischen Situation zusammenhängen könnte, in der sich Polen seit Jahren befindet. „Obwohl die Volkszählung im Prinzip anonym war, hatten wahrscheinlich einige Menschen Angst, sich zu ihrer deutschen Volkszugehörigkeit zu bekennen. Letztlich zeigt sich aber, dass wir trotz des Rückgangs der Angehörigen der deutschen Minderheit weiterhin ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind. Unsere Struktur verändert sich, auch altersmäßig, aber die Verbundenheit mit der deutschen Nationalität ist nach wie vor ein wichtiger Teil von uns“, betont Zuzanna Donath-Kasiura, während der Abgeordnete Ryszard Galla glaubt, dass auch die schwierige Pandemie-Situation, in der die Volkszählung stattfand, das Ergebnis maßgeblich beeinflusst hat.

 

Sejmabgeordneter Ryszard Galla
Foto: screenshot/Mittendrin

 

„Gleichzeitig erfüllt mich die Tatsache, dass die Zahl der Deutschsprecher so stark zugenommen hat, mit großem Optimismus. Das zeigt, dass die Verbundenheit mit der deutschen Sprache und Kultur nach wie vor sehr groß ist und dass unsere Bemühungen, Deutsch als Minderheitensprache wieder dreistündig in die Grundschulen zu bringen, nicht nur ein Kampf um das Privileg einer kleinen Gemeinschaft ist“, urteilt Ryszard Galla.

 

SKGD- und VdG-Vorsitzender Rafał Bartek
Foto: Rudolf Urban

 

Und  der Vorsitzende des Verbandes deutscher Gesellschaften Rafał Bartek sagt: „Nicht nur Kultur spielt hier wohl eine Rolle, sondern auch wirtschaftliche Aspekte. Das bedeutet, dass die Sprache auf vielen Ebenen, nicht nur der reinen Identiät, ihre Bedeutung nicht verliert und gefördert werden muss“. Marschallin Donath-Kasiura fügt hinzu, dass ein wichtiges Element der Analyse auch die Informationen darüber sein werden, an welcher Stelle Deutsch in der Volkszählung angegeben wurde: ob es als erste oder zweite Sprache verwendet wird. „Neben der reinen Anzahl der Menschen, die diese Sprache zu Hause verwenden, werden wir auch herausfinden, welchen Stellenwert Deutsch in den Haushalten tatsächlich hat“, sagt Zuzanna Donath-Kasiura.

 

Andere Minderheiten

 

Mit diesem Logo warb der VdG für die Angabe der deutschen Nationalität bei der Volkszählung.
Foto: VdG

 

Die Ergebnisse der letzten Volkszählung überraschen auch in Bezug auf die Zahl der Personen, die eine schlesische Nationalität angegeben haben. Während sich 2011 mehr als 840.000 Menschen als Schlesier bezeichneten, sank diese Zahl bei der Volkszählung 2021 auf 585.000. Wie im Falle der deutschen Sprache stieg jedoch die Zahl der Personen, die in ihren Haushaltskontakten die schlesische Sprache verwenden. Bei der Volkszählung 2021 gaben fast 460.000 Personen an, diese Sprache zu verwenden, gegenüber 140.000 im Jahr 2011. Auch die Zahl der Personen, die sich als Kaschuben (176.900) und Roma (11.800) bezeichnen, ist zurückgegangen. Andererseits wurde ein Anstieg bei den Minderheiten ukrainisch (79.400), weißrussisch (54.300), jüdisch (15.700) und lemkisch (12.700) verzeichnet. Ferner konnte bei 473.300 Volkszählungsteilnehmern die Nationalität nicht bestimmt werden.

Die vom Statistischen Hauptamt (GUS) vorgelegten Ergebnisse werden als vorläufig bezeichnet; es gibt auch noch keine Daten über die Anzahl der Personen, die einer bestimmten Nationalität angehören, aufgeschlüsselt nach Woiwodschaften, Kreisen und Gemeinden.

Rudolf Urban

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