Neujahrstreffen der Vertreter der Glaubensgemeinschaften und nationaler und ethnischer Minderheiten mit Staatspräsident Andrzej Duda
Foto: Grzegorz Jakubowski-KPRP

 

Vertreter der nationalen und ethnischen Minderheiten sowie der Glaubensgemeinschaften kamen heute im Präsidentenpalast in Warschau zum traditionellen Neujahrsempfang zusammen. Der Empfang wurde dabei überschattet vom jüngsten Anschlag auf den Danziger Stadtpräsidenten Paweł Adamowicz. 

 

Der Beginn des neuen Jahres bedeute eigentlich immer Freude und Karneval, anders sei es aber diesmal nach dem Mordanschlag auf den Danziger Stadtpräsidenten am vergangenen Sonntag, der die Menschen dazu bringe über die Entwicklung der letzten Jahre nachzudenken, sagte in seiner Ansprache der Vorsitzende des Polnischen Ökumenischen Rates, der evangelisch-augsburgische Bischof Jerzy Samiec.

 

Im Schatten Danzigs

Staatspräsident Andrzej Duda spricht beim Neujahrstreffen mit den Vertretern der Glaubensgemeinschaften und nationaler und ethnischer Minderheiten
Foto: Grzegorz Jakubowski-KPRP

Davor sprach auch der polnische Staatspräsident Andrzej Duda den Anschlag auf Paweł Adamowicz an. “Nach den dramatischen Ereignissen in Danzig entfachte von Neuem eine Diskussion darüber, ob die Grenzen der zwischenmenschlichen Beziehungen in politischen und gesellschaftlichen Aspekten nicht überschritten wurden und dies muss ich bejahen. Zwar geschieht dies nicht im Bezug auf nationale oder religiöse Unterschiede, wohl aber bei Relationen zwischen unterschiedlichen politischen und weltanschaulichen Lagern. Als Politiker sage ich dazu, wir müssten bei uns selbst beginnen und unser Gewissen befragen, bevor wir anderen Vorhaltungen über ihr Verhalten machen”, sagte Präsident Andrzej Duda. Auch der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz Erzbischof Stanisław Gądecki mahnte in seinen Grußworten an: “Die allgemeine feindliche Atmosphäre, die in unserem Vaterland aufgekommen ist, sollte für uns ein Weckruf sein zur Besinnung, gegenseitigem Vergeben und Versöhung”.

 

Erzbischof Stanisław Gądecki spricht beim Neujahrstreffen der Vertreter der Glaubensgemeinschaften und nationaler und ethnischer Minderheiten mit Staatspräsident Andrzej Duda
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Der Mordanschlag in Danzig war auch für den Vertreter der Minderheiten, Dr. Grzegorz Kuprianowicz von der ukrainischen Minderheit Anlass, auf die Gefahren des gegenseitigen Hasses hinzuweisen. “Minderheiten werden auch immer wieder zum Objekt der Feindseligkeit, gleichzeitig verstehen sie sehr gut, welche Gefahr das Schüren von Hass mit sich führt, denn es ist ja am einfachsten Hass gegen diejenigen zu richten, die kulturell, religiös oder ethnisch anders sind als die Mehrheit”, sagte Kuprianowicz.

 

Das Jahr 2019

Die Versamelten Vertreter der Kirchen und Minderheiten sprachen aber auch über die Herausforderungen im nun angebrochenen Jahr 2019. Für den polnischen Präsidenten sind dabei die weiteren Feierlichkeiten rund um den 100. Jahrestag der polnischen Unabhängigkeit von besonderer Bedeutung und er lud die Volks- und Kirchengemeinschaften dazu auf, gemeinsam zu feiern. “Sie bereichern seit Jahrhunderten die Gesellschaft mit Ihren Kulturen, Sprachen und Religionen. Trotz Unterschiede bilden wir eine Gemeinschaft und das betone ich, weil es einfach so ist”, sagte Andrzej Duda.

Neujahrstreffen der Vertreter der Glaubensgemeinschaften und nationaler und ethnischer Minderheiten mit Staatspräsident Andrzej Duda
Foto: Grzegorz Jakubowski-KPRP

Seinen Worten pflichtete Dr. Grzegorz Kuprianowicz bei und wünschte sich und der Republik Polen: “Mögen die nationalen und ethnischen Minderheiten sowie die Sprachgemeinschaft der Kaschuben weiterhin das kulturelle Mosaik des polnischen Staates bereichern. Denn eine zerstörte Straße kann man wieder aufbauen, genauso wie ein kaputtes Haus. Dazu braucht es nur Geld. Wenn Identität zerstört wird, es einen Bruch in der Kulturvermittlung gibt, sind die Folgen meist unumkehrbar und eine einmalige Kultur geht verloren”.

 

Die Deutschen in Polen vertraten Waldemar Świerczek als Mitglied des VdG-Vorstandes und der erst vor wenigen Monaten zum Bürgermeister von Ujest gewählte Hubert Ibrom als vertreter der Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln.

 

Rudolf Urban