Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, January 18, 2022

Aufs Dach den Glatzer Grafschaft

Aufs Dach den Glatzer Grafschaft
Der erste Teil unserer Wanderung durch das Massiv des Glatzer Schneeberges führte uns aus Klessengrund (Kletno) über 500 Meter hinauf. Vor uns ist jetzt das letzte Teilstück des Aufstiegs auf einen der vier höchsten Gipfel der Ostsudeten.

 

Das Massiv des Glatzer Schneebergs von Süden aus gesehen. Der grüne Wanderweg führt uns auf den höchsten Gipfel, der im Hintergrund sichtbar ist.
Foto; Lukasz Malkusz

Nach etwa zwei Stunden kommen wir auf der Schneeberger Wiesenmatte an. Im 18. Jahrhundert ließen hier die damaligen Eigentümer, die Grafen von Anhalt, eine Hirtenbaude errichten. Um 1809 errichtete Graf von Magnis eine Schweizerei, in der Kühe und Schafe gezüchtet wurden. Im Laufe der Jahre geriet aber die Tierzucht hier immer mehr in den Hintergrund.

 

 

Die Berghütte der Prinzessin Marianne

Die Schweizerei wurde vor allem zum Wanderziel, das vor allemPrinzessin Marianne von Oranien Nassau, die Schlossherrin von Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki) populär machte. Sie siedelte hier Michael Aegerter an, der aus der Gegend von Bern stammte. Dieser war ein talentierter Verwalter, und machte aus der Viehfarm schnell ein Gasthaus, das durch phantastischen, selbstgemachten Käse, Milch und Likör bekannt wurde.

 

Im Jahre 1871 ließ sie dann schließlich das heutige Gebäude der Berghütte errichten. Selber besuchte sie es bei der Eröffnung – damals wurde sie in einer Sänfte aus Wölfelsgrund (Międzygórze) hoch getragen. Die Familie von Hohenzollern blieb bis in die 30ger im Besitz der Schneeberger Wiesenmatte. Die preußischen Staatsherren bauten hier auch ein Jagdhaus, das Prinzenhäuschen genannt wurde, und noch bis in die Sechziger gelegentlich Unterschlupf für Touristen bat. Die Berghütte selber wurde mehrmals umgebaut und ist bis heute eine der stimmungsvollsten Bauden in den Sudeten. Noch am Anfang des 21. Jahrhunderts war Elektrizität hier ein Luxus – nur selten wurde sie durch eine unzuverlässige Windmühle geliefert. Die Schneeberg-Hütte bietet die perfekte Möglichkeit, um uns vor dem letzten Teilstück auszuruhen.

 

Der Ruinen-Aussichtspunkt

Auf den Gipfel führen uns die Zeichen des grünen Wanderweges. In etwa 45 Minuten müssen wir noch über 200 Meter klettern, was sogar Personen mit guter Ausdauer etwas aus der Puste bringen kann. Sobald wir an eine Felsenformation, die sogenannten Schwalbensteine kommen, haben wir etwa die Hälfte der Strecke hinter uns. Schritt für Schritt merken wir, dass die Vegetation immer bescheidener wird. Wir sehen Keine Bäume und Sträucher mehr, um uns ist nur Weidenland. Schließlich kommen wir an einem imposanten Steinhaufen an – unserem Ziel.

In den Jahren 1895-1899 baute der Glatzer Gebirgsverein auf der Spitze des Schneeberges einen 33,5 Meter hohen Aussichtsturm. Nach einiger Zeit wurde er Friedrich-Wilhelms-Turm genannt. Auf 30 Metern befand sich eine Aussichtsgalerie, in der eine Büste des preußischen Königs stand, den Besuchern diente sogar ein Fernrohr. Im Erdgeschoss wurde eine kleine Herberge eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Turm langsam auseinander. Man entschied sich gegen eine Renovierung, die Baut wurde 1973 gesprengt.
Seitdem gab es mehrere Konzepte hier einen neuen Aussichtsturm zu bauen, keins davon wurde umgesetzt. Als Aussichtspunkt dienen also die Ruinen des alten Turmes. Diese bieten atemberaubende Panoramen der ganzen Sudeten – vom Altvater bis zum Riesengebirge. Lange wurde auch darüber gesprochen, dass es der einzige Punkt in Schlesien ist, von dem man die Alpen sehen kann. Es galt als Mythos, bis am 2. Januar 2020 die Gipfel des Klosterwappen und der Heukoppe von hieraus fotografiert wurden. Wir beenden also unsere diesjährigen Wanderungen an einem absolut einzigartigen Ort.

Łukasz Malkusz

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