Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, December 1, 2022

Endlich wieder Lampenfieber!

Nach der coronabedingten Pause setzte sich in diesem Jahr in Osterode (Ostróda) eine langjährige Tradition fort: Der Wettbewerb des deutschen Liedes, den traditionell die örtliche Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“ auf die Beine stellt, fand nach dem erzwungenen Umweg in den virtuellen Raum am 27. Oktober wieder live auf der Bühne statt – und zwar in einem neuen Ambiente.

War es bisher der große Saal des Osteroder Kulturzentrums in der Burg im Herzen der Stadt am Drewenzsee (Jezioro Drwęckie), so lockte in diesem Jahr erstmals der Mehrzwecksaal des Zentrums zur Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen in einer renovierten und umgenutzten historischen Kaserne die sangesfreudigen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen an. „Die Nutzung dieses Saals ist für uns kostenfrei“, freute sich die Schatzmeisterin der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“, Ingrid Lipka. „Zwar bekommen wir zu unseren eigenen Mitteln finanzielle Unterstützung vom Deutschen Generalkonsulat in Danzig und aus Warschau vom Ministerium für Inneres und Verwaltung, aber diese Mittel sind für Verpflegung und Siegespreise besser verwendet.“

Die erste Klasse des Lyzeums des Salesianer-Schulverbands in Osterode beim Performen des Marschlieds der Ritter
Foto: Uwe Hahnkamp

Neue Atmosphäre, altes Zittern

Die Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernahm mit einigen kurzen Worten der Vizevorsitzende des Vereins, Wiesław Küchmeister; moderiert hat die Organisatorin der Veranstaltung, Anna Czajkowska. Sie freute sich über die recht rege Beteiligung nach der Coronapause: „Wir danken für euer zahlreiches Kommen und hoffen für den ganzen Tag auf eine angenehme und friedliche Atmosphäre! Unterstützt einander, wenn das Lampenfieber wiederkommt!“

Die Gesangsgruppe „Mikołajczanki“ aus Marienwerder
Foto: Uwe Hahnkamp

Denn es war endlich wieder Zeit für das bange Gefühl auf der Bühne, den Auftritt vor echtem Publikum und einer Jury, die einen beobachtet. Der Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) beim Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren (VdGEM), Luis Schönecker, und der Autor dieses Texts als Vertreter der Medien der deutschen Minderheit verfolgten alle Sängerinnen und Sänger aufmerksam – von der sechsjährigen Hanna Panasiuk aus Hohenstein (Olsztynek), die den Wettbewerb eröffnete, bis hin zur Gesangsgruppe „Mikołajczanki“ aus Marienwerder (Kwidzyn) und dem „Heilsberger Trio“ aus eben jenem Heilsberg (Lidzbark Warmiński) am Ende der Darbietungen.

Konzentrierte, wohlwollende Atmosphäre im Saal
Foto: Uwe Hahnkamp

Alte Ritter, Plüschtiere und ein Koffer in Berlin

Und es gab viel zu sehen: einen Berg Plüschtiere auf der Bühne bei den Brüdern Teodorczuk aus Rontzken (Rączki), historische Uniformen beim Marschlied der Ritter, das die erste Klasse des Lyzeums des Salesianer-Schulverbands in Osterode darbot, ein von Antoni Kędra aus Marienwerder virtuos gespieltes Akkordeon zur Begleitung seines Gesangs und einen kleinen Koffer, den die ganz in Schwarz auftretende Lea Gładkowska aus Allenstein (Olsztyn) passend zu ihrem Lied von Marlene Dietrich „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ mitbrachte – und den sie mit dem ersten Preis in ihrer Kategorie wieder mit nach Hause nahm.

Anna Czajkowska und Wiesław Küchmeister von der Deutschen Gesellschaft „Tannen“ in Osterode
Foto: Uwe Hahnkamp

Die Bemühungen um einen ansprechenden allgemeinen Eindruck auf der Bühne waren also bunt und vielfältig, doch für die Jury galt es, darüber hinaus auch Musikalität und Interpretation sowie das Können in der deutschen Sprache zu bewerten. Preise gab es für alle teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler, wenngleich manchmal die Entscheidung über die Sieger oder die Siegerin haarscharf knapp ausfiel, wie etwa bei den beiden Teilnehmerinnen aus Freudenberg (Radostowo) in den Klassen IV bis VI, Sara Brzezińska und Hiacynta Sadowska.

Die vorbereitenden Lehrer und Eltern mit der Jury
Foto: Uwe Hahnkamp

„Ihr alle habt euren Mut zusammengenommen und euch auf die Bühne gestellt. Dafür danken wir euch – und den Lehrern und Eltern für die Vorbereitung. Bis zum kommenden Jahr bei der nächsten Ausgabe des Wettbewerbs“, lobte Anna Czajkowska zum Abschied – bevor sie mit einem zufriedenen Seufzer das Ende der gelungenen Veranstaltung genoss.

Uwe Hahnkamp

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