Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, September 27, 2022

Die Gedanken sind frei

Die Gedanken sind frei

Autoritäten gehen

Montag war der Tag der Beerdigung von Königin Elisabeth II., die das Interesse der Welt beherrschte. Die Anwesenheit von Staatsoberhäuptern war offensichtlich, die Massen von Briten, die ihr Staatsoberhaupt auf dem letzten Weg begleiten, im Prinzip auch verständlich, aber die Millionen von Menschen, die die Sendung in Ländern verfolgten, die weder mit England noch mit dem Commonwealth etwas zu tun haben, sind nicht so leicht zu erklären.

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Die Erfindung der Natur

In der Überschrift habe ich den Titel der deutschen Übersetzung von Andrea Wulffs Buch „The Invention of Nature. The Adventures of Alexander von Humboldt, the Lost Hero of Science” verwendet. Dieses vor langer Zeit gelesene Buch liegt vor mir auf meinem Schreibtisch, und daneben das Buch von Oliver Lubrich „Humboldt oder wie das Reisen das Denken verändert“, das mir kürzlich Hartmut Koschyk, ein Verbreiter des Wissens um A. von Humboldt, geschenkt hat. Außerdem liegt da auch eine Einladung zur wissenschaftlichen Tagung „Alexander von Humboldt in Franken, Schlesien und Polen“. Die Bedeutung dieser Konferenz, die vom Verein Malapane-Tal und der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen organisiert wird, kann nicht hoch genug geschätzt werden, besonders wenn wir auf den englischen Titel von A. Wulffs Buch mit dem Wort „lost“, also „verloren“ achten.

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Gemischte Gefühle

In wenigen Tagen treffen wir uns in der Breslauer Jahrhunderthalle zum Kulturfestival der deutschen Minderheit. Ich hatte die Ehre, die letzten Ausgaben zu eröffnen und habe in meinen Worten immer wieder auf die Freude an der deutschen Identitätsbildung hingewiesen, aber auch auf die Schwierigkeiten, die auf diesem Weg auftauchen und aus Schwächen der Minderheitenpolitik, der fehlenden Realisierung der Bestimmungen europäischer Dokumente oder der fortgesetzten Nichtnutzung des Potenzials der polnisch-deutschen Beziehungen bestehen.

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„Alles ist gut”?

Wieder einmal ist die Sommerzeit für mich zu einer Art Spurensuche des Deutschtums dort geworden, wo es früher Alltag war. Diesmal in Litauen und Lettland. Das fällt nun mit dem Beginn der praktischen Diskriminierung von Kindern deutscher Herkunft in ganz Polen zusammen, was uns in wenigen Tagen erwartet. Und in diesem Zusammenhang überkommt mich die traurige Überlegung, dass die Kinder durch die Kürzung des Deutschunterrichts von einer großen Kultur abgeschnitten werden, ohne die die Kultur, Architektur und Wirtschaft vieler europäischer Länder kaum vorstellbar sind.

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Zwei Welten

Heute (08.08.) haben mich in den Medien zwei Menschen mit größter Intensität erreicht: Erzbischof Alfons Nossol und Parteichef Jarosław Kaczyński. Ersterer, weil er seinen 90. Geburtstag feierte, und der zweite wegen eines kürzlich gegebenen Interviews. Eine zufällige Konvergenz und wir könnten sagen, dass die Ereignisse nicht zusammenhängen. Manchmal ist jedoch der Gegensatz das Verbindende.

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Reparationen

Das Problem der Kriegsreparationen, das – wie wir seit Jahren wissen – im Vorfeld von Wahlen in Polen immer wieder an die Oberfläche kommt, wird nun zunehmend hitzig diskutiert. Dennoch sollten wir versuchen, Abstand zu halten. Es heißt also, die Dinge im Auge zu behalten, aber ohne ein übermäßiges Engagement. Denn: Lohnt es sich, einem Thema zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, das in Polen immer mal wieder heiß diskutiert wird, das die polnische Regierung aber seit Jahren nicht auf die Tagesordnung der Gespräche mit der Bundesregierung gesetzt hat? Vermutlich weil erfahrene Diplomaten wie auch viele Experten auf diesem Gebiet sehr wohl wissen, dass es dafür keine Rechtsgrundlage gibt, aber auch, weil die materielle Verantwortung im Gegensatz zur moralischen Verantwortung für Kriegsverbrechen auf beiden Seiten trockenes Kalkül erfordert.

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Schädlicher Populismus

Im Prinzip bilden die Beiträge, die hier erscheinen, keine Textreihe, aber ich mache jetzt eine Ausnahme. Letzte Woche habe ich bedauert, dass ich mein Feuilleton notgedrungen vor der Sitzung des Ausschusses für nationale und ethnische Minderheiten des polnischen Sejm am Dienstag geschrieben habe, da ich sie nicht kommentieren konnte. Ich wusste jedoch, dass der Bildungsminister die Sitzung wieder einmal boykottieren und einen Beamten schicken würde, der seine Haltung zur staatlichen Politik gegenüber nationalen Minderheiten zum Ausdruck bringt. Ich wusste auch, dass die Diskriminierung eigener Bürger mit der angeblichen Ungerechtigkeit gegenüber den Polen in Deutschland gerechtfertigt werden würde, die im Gegensatz zur deutschen Minderheit Polen verlassen hatten.

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Atavismus?

Heute, da ich mich hinsetze, um diesen Text zu schreiben, bedaure ich, dass er am Dienstag in der Redaktion sein muss, was bedeutet, dass er am Montag geschrieben wird. Morgen (19.07.) findet nämlich eine weitere Sitzung des Parlamentarischen Ausschusses für nationale und ethnische Minderheiten statt, bei der die Antwort auf das Desiderat des Gremiums zur Diskriminierung deutscher Kinder an polnischen Schulen durch die polnische Regierung diskutiert wird.

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Nur der Himmel ist geblieben

Das Buch „Alles, was wir nicht erinnern“ von Christiane Hoffmann ist in diesem Jahr erschienen und erreicht schon die 3. Auflage. Der Untertitel erklärt die Idee des Buches oder besser gesagt, das Unterfangen der Autorin: „Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters“. In einem Europa, das von unterschiedlichen Strömen von Flüchtlingen durchzogen ist, wundert die Popularität des Buches nicht. Tatsächlich kann man beim Lesen des schönen literarischen Werks zwischen der Flucht auf einem Pferdewagen bei ständigem Informationsmangel über die Nächsten, über die Front, über die Lage in der Heimat direkt vergleichen mit der Flucht in Autos und Zügen, mit Internet und dem Überfluss an Informationen. Aber Flucht bleibt immer Leid, Verbitterung, Verlust und Sehnsucht, Ratlosigkeit, Trennung von den Männern und Vätern.

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„Mein Leben in 100 Bildern“

Harry Ruff ist ein ukrainischer Maler, der Schwarzmeerdeutsche ist. Ich hatte das Glück, den Künstler 2019 in Odessa zu besuchen. Dort wohnte er sehr bescheiden, als er das von Russen okkupierte Donezk-Gebiet 2014 verlassen hat. Das Bayrische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland hat neulich ein Buch über ihn herausgegeben und darin fand ich sogar ein Bild, das mir Harry Ruff in Odessa präsentiert hat. So, wie in vielen seiner Bilder, wollte er dort mit hellen Farben Sonne und Ruhe vermitteln, dass die menschliche Hoffnung auf Glaube und Liebe basiert.

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